Praxisprojekte

Eine zentrale Aufgabe des Projektes "Irgendwie Hier! Flucht-Migration-Männlichkeiten" ist es, im Projektverlauf exemplarische Praxisprojekte der geschlechtsspezifischen, inter- und transkulturellen Jugendarbeit zu initiieren, zu entwickeln und zu begleiten.

Es gilt relevante Themen der Jungenarbeit mit flucht- und migrationserfahrenen jungen Männern* zu identifizieren, in pädagogische Konzepte zu übersetzen und deren Umsetzung zu unterstützen und zu evaluieren. Gleichzeitig werden die Projekte dokumentarisch begleitet, um die Erkenntnisse und Konzepte aufzunehmen, zu abstrahieren und als Praxismodelle, welche exemplarisch für die pädagogische Arbeit mit geflüchteten und migrationserfahrenen Jungen* stehen können, der Praxislandschaft NRW zur Verfügung zu stellen.

MUT proben

Welche Gesichter hat Mut? – Ein TanzTheaterVideoProjekt

Kooperation mit "Coach e. V." und dem "disdance project" Köln

In den ersten beiden Wochen der Sommerferien 2017 brachte das Projekt "Irgendwie Hier!" ein Intensiv-TanzTheaterVideo-Projekt für geflüchtete junge Männer* nach Erftstadt.

Entlang der Fragestellungen "Welche Gesichter hat Mut? Wie zeigt er sich? Wofür brauchen wir ihn? Woher nehmen wir ihn?" haben sich die fünfzehn Teilnehmer*, mit vollem Einsatz von Körper und Geist, in die Projektarbeit begeben. Angeleitet von den Kulturschaffenden André Lehnert und Paula Scherf vom "disdance projekt" und in enger Kooperation mit Coach e.V. wurde trainiert, in Szene gesetzt und Choreographien entwickelt. Themen von "Mannesmut bis Wehmut", von "Sanftmut bis Todesmut", von "entmutigt bis übermütig" wurden grundlegend verhandelt. Mittels Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, mit zeitgenössischem Tanz, mit den Grundlagen von Schauspiel und Kameraarbeit sowie mit Improvisation und Spiel gingen die jungen Menschen ihren zentralen Fragen nach Männlichkeit(en), Ehre, Familienbild, Gruppenzugehörigkeit und sexueller Identität nach.

Am Themenfeld entlang entwickelten sie eine bühnenreife Präsentation, welche am 05.08. als Abschlusspräsentation inszeniert und aufgeführt wurde.

Jungen und ihre Freundschaften in globalen Zeiten

Biographisches Arbeiten mit Pinsel und Leinwand – Eine Vernissage

Kooperation mit dem Linoclub und dem Gymnasium Köln-Pesch

Im Rahmen dieses Projektes der interkulturellen Jungenarbeit wurde eine Projektwoche des Gymnasiums Köln-Pesch genutzt, um Jungen* einer internationalen Klasse die Möglichkeit zu eröffnen, sich biographisch mit ihrem Verhältnis zu Jungen- und Männerfreundschaften im interkulturellen Kontext zu beschäftigen. Geleitet wurde dieses Projekt von dem Künstler und Jungenarbeiter Renato Liermann.

Mit Unterstützung einer Sprachmittlerin setzten die jungen Männer sich sehr persönlich mit ihren Gedanken auseinander, um anschließend mit kunstpädagogischer Begleitung kreativ zu werden. Eine Vernissage in der Schule zum Abschluss der Projektwoche, unter Begleitung eines Musikprojektes der internationalen Klasse, bot die Möglichkeit die erarbeiteten Werke mit Mitschüler*innen und Lehrkräften zu teilen.

Boys kick ass!

Mediale Heldenentwürfe – Ein Trickfilm- und Fotoprojekt

Kooperation mit dem Falkenheim OT Tannenhof in Düsseldorf

Im Frühjahr 2017 wurde dieses 8-wöchige Praxisprojekt der Medienpädagogik durchgeführt. Im Sinne der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wurde hier ein freies Angebot realisiert, in welchem sich jedoch sehr schnell eine feste internationale Gruppe von teilweise flucht- und migrationserfahrenen, teilweise deutschen Kindern etablierte.

Mit der Frage nach den Helden(vor)bildern der jungen Menschen sind die Pädagog*innen in ihr Querschnittsthema Geschlechterrolle und Kulturbezogenheit eingestiegen. Mit dem besonderen Blick auf mediale Männlichkeitsinszenierungen und öffentlich behandelte Heldenfiguren kam die Gruppe in eine inhaltliche Auseinandersetzung. Die entwickelten Gedanken und Impulse wurden mit Fotokameras und Trickfilmtechnik eingefangen und in Szene gesetzt.

Zeitschriftcollagen, Fotoalben der "Helden des Alltags" und aufgezeichnete Selbstinszenierungen waren nur einige der Ergebnisse des Projektes.

Longboards selber bauen!

Körper erleben und Stadtraum aneignen – Ein Workshop

Kooperation mit dem Stadtteilzentrum U-27 und der Ökumenischen Trägerkooperation in Bochum

In den Osterferien 2017 hat das Projekt "Irgendwie Hier! Flucht-Migration-Männlichkeiten" ein Angebot geschaffen, welches elf fluchterfahrenen jungen Menschen ermöglichte, sich eigene Longboards zu bauen und das Fahren damit zu erlernen.

Der spannende Prozess vom Rohmaterial bis hin zum selbst gestalteten Board hat die Jungen und Mädchen in engen Kontakt mit ihren Werken gebracht. So entwickelte sich eine ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Brett. Für die Jugendlichen war die wertschätzende gemeinsame Arbeit mit den Pädagogen eine besondere Erfahrung. Die Möglichkeit künstlerisch aktiv zu sein, die eigenen handwerklichen Fähigkeiten zu erleben und die neu angeeigneten Techniken direkt zu erproben, eröffnete völlig neue Horizonte.

Eng verbunden mit dem künstlerischen Erfahren der Materialien und der Erschaffung eines ganz persönlichen Objektes wurde das Sportgerät schließlich auch seinem Zweck zugeführt. Fahrtraining, Sicherheitsschulung und die ersten Tricks wurden gelernt, um nachher auf der Straße eine gute Figur zu machen. Damit war der Weg für die jungen Menschen geebnet, sich auf eigene Faust in den öffentlichen Raum zu begeben, sich in der urbanen Szene gegenseitig zu erleben und öffentlich bemerkbar zu machen. Durch das neue Hobby gelang es den Jugendlichen sich selbst und untereinander als junge Menschen zu erleben, deren Lebensalltag nicht nur von Ausgrenzung, Verlust, Sorgen und Zukunftsangst geprägt ist.

Rauschmittelerfahrungen junger geflüchteter Männer*

Ein Methodenkoffer

Kooperation mit der Jugend- und Drogenberatung WestVest in Marl

Im Fokus dieses Projektes, welches Ende 2016/Anfang 2017 realisiert wurde, stand das Thema Rauschmittelprävention im Kontext Flucht und Männlichkeit.

Ziel des Projektes war es, durch qualitative Gespräche den besonderen Präventionsbedarf im Querschnitt "Fluchterfahrung" und "Männlich sein" zu erheben und hieraus Praxismaterial zu entwickeln, welches sowohl Fachkräften der Suchtarbeit als auch fachfremden Jugendarbeiter*innen zur Unterstützung ihrer pädagogischen Arbeit dienen sollte.

Im Projekt wurde zunächst ein vertrauensvoller Kontakt zu fluchterfahrenen jungen Männern* aufgebaut, um auf persönlicher Ebene mit ihnen ins Gespräch über ihre Erfahrungen mit Rausch- und Suchtmitteln kommen zu können. In mehreren Gruppen- und Einzeltreffen wurden gemeinsam mit diesen Jungen* Methoden und Inhalte zu den besprochenen Themen entwickelt. Aus den Erkenntnissen der Gruppenarbeiten wurden Präventionsmaterialien für die Praxis zusammengestellt.

Diese wurden sowohl von Jugendlichen als auch von Fachkräften der Suchtprävention im Rahmen von durchgeführten Werkstattgespräche geprüft, reflektiert und weiterentwickelt.

Die vorliegende Präventionsmappe ist, neben weiterem Material, ein Ergebnis dieses Praxisprojektes.

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Transkultureller und Interreligiöser Dialog

Ein Bühnenstück

Kooperation mit der Evangelischen Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen - Jugendbildungsstätte Hagen Berchum (ESW), dem Kultopia und dem Music Office Hagen

Von Oktober bis Dezember 2016 fand im Kultopia Hagen ein mehrwöchiges Musik- und Theaterprojekt statt, in welchem Regisseur, Sänger und Schauspiellehrer Gandhi Chahine mit jungen geflüchteten und nicht-geflüchteten Menschen an einem Bühnenstück arbeitete.

In regelmäßiger Gruppenarbeit wurde sich mit religiösen, philosophischen und interkulturellen Fragen befasst. Zentrale Gesprächsthemen waren die eigenen Erfahrungen mit Geschlechterrollen, Rassismen und Zuschreibungen anderer Art. Sich den schwierigen, teilweise emotionalen, Themen über die Sprachbarriere hinaus zu nähern war nicht leicht. Künstlerisch, mit musik- und theaterpädagogischer Methodik, kam die Gruppe zusammen und schuf sich einen geschützten Raum für Inhalte auf sehr persönlicher Ebene.

Im Dezember 2016 haben die jungen Menschen die Ergebnisse in einer Aufführung präsentiert und sind anschließend mit den Gästen ins Gespräch über ihre Erfahrungen gekommen.

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