Kooperation mit Jama Nyeta e.V., Köln
Fußballschuhe und Triktos fliegen in die Ecke, alle quatschen durcheinander, zwischendurch ertönt lautes Zischen beim Öffnen der Wasserflaschen. Die Stimmung nach dem Training ist ausgelassen, wenn die rund 20 Jungs* im Praxisprojekt „Siki ka fo“ von Jama Nyeta e.V. den Tag ausklingen lassen. „Das ist genau der Moment, in dem die Themen besprochen werden können, die für die Jungs* im Alltag schwierig sind – ohne Angst und unter vertrauten Menschen“, sagt Momo Sissoko, Geschäftsführer des Vereins.
Diese Themen hängen zum Beispiel mit familiären Problemen in den Heimatländern, mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder mit dem Wunsch nach einer Beziehung zusammen. „Auf den Jungs* lastet ein großer Druck, wenn sie in Deutschland ankommen und sie versuchen sich hier ein Leben und eine Perspektive aufzubauen. Das Gefühl von großem Stress haben sie fast alle gemeinsam“, erzählt Momo. Vieles davon habe mit ihrer Geschlechtsidentität zu tun, mit der Rolle, die sie in ihren Heimatländern haben, mit den Erwartungen und Zuschreibungen, denen sie nun in Deutschland begegnen, erklärt er weiter.
Die jungen Männer*, mit denen der Jama Nyeta e.V. arbeitet, stammen aus Mali, Guinea, Sudan, Senegal oder Burkina Faso, sie sind geduldet oder haben eine Aufenthaltsgestattung und fast alle haben zum Ziel, ihre Familien in den Heimatländern finanziell zu unterstützen. Die Lockerroom-Atmsophäre nach dem Fußballtraining ist daher nicht zufällig entstanden, sondern stellt im Projekt „Siki ka fo“ eine zentrale Situation dar, die – pädagogisch begleitet – zu einer zusätzlichen Beratung wird.
„Wir besprechen zum Beispiel mit den Jungs*, dass sie sich zunächst mal auf sich selbst konzentrieren müssen, dass sie niemandem helfen können, wenn es ihnen selbst schlecht geht“, sagt Momo. „Aber vor allem kommen sie durch unsere Impulse miteinander ins Gespräch über die Themen, die sie bewegen.“ Momo Sissoko, Souhail Dianati und Markus Geis verfolgen in diesem Praxis-Projekt einen empowermentorientierten Ansatz, mit dem sich die Jungs* gegenseitig stärken, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit entwickeln und so im Alltag sicherer handeln können. Besonders die Entwicklung von Copingmechanismen und Bewältigungsstrategien stehen dabei fachlich im Vordergrund.
Dass die hier zu bearbeitenden Themen häufig mit Geschlechtsidentitäten und Männlichkeiten* zu tun haben, ist dem Team durch ihre Arbeit zwar klar, doch der bewusste Fokus auf geschlechtssensible Pädagogik innerhalb des Praxisprojekts bietet neue Ansätze in der Arbeit mit den Jungs*.
Das Team ist sich einig: „Das Projekt bedeutet für uns, unseren Erfahrungsschatz und unsere Ressourcen in der geschlechtersensiblen Arbeit zu erweitern und als Querschnittsaufgabe in unsere tägliche Beratungs- und Begleitungsarbeit einfließen zu lassen. Die inhaltlich-fachliche Begleitung durch die LAG Jungenarbeit NRW stellt einen wichtigen Pfeiler zur weiteren Professionalisierung unserer eigenen Arbeit dar. Vor allem die Möglichkeit sich mit anderen Fachkräften auszutauschen und voneinander zu lernen, neue Methoden und Ansätze kennenzulernen bringt uns weiter und hilft uns, die Jungs*, die wir seit Jahren unterstützen, auch in der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentitäten zu begleiten.“
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