Praxisprojekt 2020: Kooperation mit dem Internationalen Bund West gGmbH
(Beratungsstelle Sprung(s)chance und dem Kinder- und Jugendzentrum Dreizack, Dormagen)
Wirkt Brad Pitt mit nacktem Oberkörper männlich? Ist es okay, seiner Partnerin mit Schlägen zu drohen? Werde ich mit 30 einen Bugatti fahren? Werde ich heiraten? Was denke und was fühle ich? Und was beeinflusst mein Sein? Im „ehrenMann“-Projekt des Internationalen Bund West gGmbH suchen Elmar Prinz von der Beratungsstelle Sprung(s)chance und Tobias Dirscherl vom Kinder- und Jugendzentrum Dreizack in Dormagen zusammen mit Jungen* einer neunten Klasse nach Antworten auf diese Fragen.
„Wir beginnen mit Einschätzungen – lassen die Jungen* bei unseren Treffen zunächst aus dem Bauch heraus einordnen, was sie empfinden, und sprechen dann darüber“, so Elmar Prinz. Das Konzept „ehrenMann“ gehört in die Reihe der Praxisprojekte von „Irgendwie Hier! Flucht – Migration – Männlichkeiten“, es findet in dafür bereitgestellten Unterrichtseinheiten von je 68 Minuten in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule statt. „Wegen der Schulschließung stand unsere Planung eingangs auf wackligen Füßen, aber jetzt sind wir bereits mittendrin und erleben sehr spannende Entwicklungen.“ Bei einem ersten Ausflug ins Rautenstrauch-Joest-Museum und intensiven Schul-Einheiten mit viel praktischem Einsatz wird bereits deutlich: „Die Jungen* werden offener, erzählen mehr über sich und ihre Familien, ihre Traditionen“, so Tobias Dirscherl. „Da können wir in Gesprächen ansetzen.“ So können gemeinsam eigene Handlungsstrategien entworfen und Hilfe auf dem Weg zur emotionalem, sozialen und sexuellen Reife angeboten werden. Zwei weitere Exkursionen stehen zusätzlich zu den weiteren Treffen in der Schule noch aus, die eine wird die „ehrenMann“-Gruppe in einen Kletterwald führen, die andere in einen Escape Room. „Die Gruppe wächst derzeit in eine Vertrautheit hinein“, erklärt Elmar Prinz. „Ausflüge schaffen eine besondere Intimität und das Wissen: ‚Hier kann ich alles sagen, das ist in Ordnung.‘ Wir wollen, dass die Jungen* die Chance haben, sich Gedanken zu machen. In aller Ruhe.“
Ziel des Projektes ist es, den Jungen* Orientierung in der Vielfalt von Milieus, Lebensstilen, Kulturen und Wahlmöglichkeiten zu geben, mit denen sie täglich konfrontiert werden. „Rollenbilder, Stärken, Ängste, Zusammenleben in einer Gemeinschaft, Akzeptanz der sexuellen Orientierung anderer Menschen – all das findet seinen Weg in unsere Projekttreffen.“
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