Identität finden, Räume erobern und das soziale Leben im eigenen Wohnumfeld mitgestalten
– im Praxisprojekt „Jung*Stars“, das zusammen mit dem VKJ (Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e. V.) durchgeführt wird, geht Zoe Kocans vom Projekt „TalentFusion“ mit den teilnehmenden Jungs* auf Entdeckungsreise nach den eigenen Talenten. Am Ende entsteht ein Film von und mit den „Jung*Stars“. Besonders ist bei diesem Praxisprojekt der Ort: Die „Jung*Stars“ sind Teil der Quartiersarbeit in der Essener Wohnungsbau-Siedlung Mitzmannweg.
„Wie werde ich von außen gesehen? Wie sehe ich mich selbst? Wie möchte ich mich zeigen? Was wird von mir erwartet? Wofür interessiere ich mich selbst? Das sind die Fragen, denen wir mit den Jungs* im Projekt auf den Grund gehen“, erklärt Zoe Kocans, die bei ihrer pädagogischen Arbeit im Quartier schon länger den Bedarf nach speziellen Angeboten für Jungs* gesehen hat. Nachdem im Projekt „TalentFusion“ eher die Mädchen* der Siedlung angesprochen waren, sind bei den „Jung*Stars“ darum ausschließlich Jungs* zwischen 8 und 14 Jahren dabei. Kontakt zu den Jungs* und ihren Familien hat Zoe pandemiebedingt zunächst mal per Bastel- und Kochtüten zu Beginn des Projekts hergestellt: geschlechterreflektierte Rätselaufgaben, bei denen die Jungs* ihre Projektansprechpartner*innen kennenlernen und sich selbst schon mal vorstellen konnten und persönliche Koch- und Backrezepte, um die Eltern zu überraschen, waren eine Möglichkeit auf Distanz in erste Interaktionen zu kommen.
Sichtbar in ihrem Quartier wurden die „Jung*Stars“ dann unter gelockerten Hygieneregeln bei der Gartenarbeit in den Hochbeeten der Siedlung, beim Ernten von Kräutern und der Herstellung von Kräuterölen unter freiem Himmel. „Es war total schön zu sehen, dass die Jungs* sich so für Pflanzen und Aromen begeistern konnten und dadurch sogar noch Cousins und Freunde dazu gekommen sind“, sagt Zoe über diese ersten wöchentlichen Gruppentreffen in Präsenz. Durch die Angebote in den Projektstunden sollen die Jungen* bei ihrem Identitätsfindungsprozess unterstützt werden, während spielerisch und in lockeren Gesprächen eine Auseinandersetzung mit äußeren Zuschreibungen und gesellschaftlichen Normalitätserwartungen insbesondere in Bezug auf Geschlechterrollen stattfinden können.
Jannica Wiesweg-Böttcher ist Kinderbeauftragte im Sozialmanagement der Wohnungsbaugesellschaft Allbau, die den Mitzmannweg betreut. Sie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem VKJ: „Es ist klar erkennbar, dass diese Angebote einen guten Einfluss auf die Menschen vor Ort haben. Unser Ziel sind stabile Quartiere mit Menschen, die sich in ihren Wohnungen und ihrer Umgebung wohlfühlen und sich damit identifizieren.“ Im Fall des Mitzmannwegs geht es dabei um insgesamt 515 Erwachsene und 250 Kinder, von denen 70% eine Migrationsgeschichte haben.
„Mit ihrem Wohnumfeld setzen sich die Jungs* im weiteren Projektverlauf bei verschiedenen Film-Workshops auseinander“, verrät Zoe Kocans, „Beim Umgang mit der Kamera, in Theaterübungen und beim Filmschnitt werden wir im Quartier unterwegs sein und sicherlich weitere – vielleicht bislang noch verborgene – Talente bei und mit den Jungs* entdecken.“ Der Plan: Ein Open-Air-Kino in der Siedlung, bei dem die Jung*Stars ihre Ergebnisse präsentieren können.
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