ADHS wird bei Jungen* schneller und häufiger diagnostiziert, vor allem wenn deren Verhalten als herausfordernd, aggressiv oder körperlich hyperaktiv gelesen wird. Der Stempel haftet schnell. Doch vor allem Jugendliche zeigen auch ADHS‑Symptome, die im Alltag nicht direkt als Hinweise auf eine mögliche Neurodivergenz erkannt werden: Ausuferndes Gaming wird als typisch jugendlich gesehen, Desorganisation als üblich chaotisch, Prokrastination als Desinteresse oder Faulheit – und Substanzmissbrauch als Ausprobieren.
Gleichzeitig maskieren neurodivergente Jungen* und junge Männer* die häufigen Begleiterscheinungen wie Depressionen und Überforderung im Alltag, da diese für viele nicht mit dem Bild eines „richtigen Mannes“ zusammenpassen.
Für die Praxis bedeutet das: Die sozialen Herausforderungen bei Jungen* mit ADHS werden adressiert, aber die Fülle an weiteren Barrieren bleibt unsichtbar, während diese Jungen* gleichzeitig stigmatisiert werden. Zusätzlich bleibt ADHS bei Jungen* unsichtbar, wenn sie bestimmte stereotype Erwartungen an jugendliche Männlichkeit eher erfüllen.
In diesem Input schauen wir gemeinsam darauf, welche Symptome bei Jungen* besonders häufig übersehen werden, wie Fachkräfte Verwechslungen zwischen „männlich sozialisiert“ und „neurodivergent“ vermeiden können und welche barrierearmen Zugänge Jungen* wirklich stärken.
Hinweis: *Das (Gender-)Sternchen wird von uns verwendet, um ein Wort geschlechtlich zu öffnen und um zu verdeutlichen, dass Personen jeden Geschlechts, biologisch wie sozial, angesprochen sind. Hinsichtlich Jungen* und Männern* möchten wir die geschlechtliche Vielfalt von Männlichkeiten* benennen und betonen, dass wir eine Haltung der geschlechtlichen Selbstbestimmung vertreten.
