Geschlechterreflektierte Jungenarbeit in Schule, Ganztag und Schulsozialarbeit
Jungen* bringen im schulischen Alltag vielfältige Ausdrucksweisen, Interessen und Formen von Beziehungsgestaltung ein. Sie bereichern pädagogische Räume durch Spiel, Bewegung, Humor und solidarisches Handeln ebenso wie durch Irritation, Grenzerprobung und Widerständigkeit. Pädagogische Fachkräfte sind hier immer wieder gefragt Struktur und Orientierung sowie Anerkennung und Wertschätzung in eine stimmige Balance zu bringen.
Besonders im Übergang zur weiterführenden Schule und im Vorfeld der Pubertät verändern sich Dynamiken spürbar: Peergroups gewinnen an Bedeutung, Zugehörigkeit wird – selbstverständlich auch konflikthaft – ausgehandelt, Sprache, Körperlichkeit und Nähe werden neu erprobt. Diese Prozesse sind Ausdruck von und eröffnen Entwicklung, bringen aber auch pädagogische Herausforderungen mit sich – etwa im Umgang mit Grenzen, Konflikten oder Rückzug.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Jungen* im Spannungsfeld von Schule, Ganztag, Schulsozialarbeit und selbstbestimmter Entwicklung so begleitet werden können, dass Entwicklung unterstützt wird, ohne Verhalten vorschnell zu problematisieren oder zu individualisieren. Eine geschlechterreflektierte Perspektive erweist sich hier möglicherweise als hilfreich.
Die Fortbildung bietet einen Einstieg in die Konzept- und Praxisentwicklung geschlechterreflektierter Jungenarbeit in Schule, Ganztag und Schulsozialarbeit und fokussiert auf folgende Themen und Aspekte:
- Grundlagen geschlechterreflektierter Jungenarbeit
- Entwicklungsthemen und Bedürfnisse von Jungen* im Alter von etwa 6 bis 13 Jahren
- Gestaltung von Spiel-, Bewegungs- und Gesprächsräumen für Jungen*
- Praxisbeispiele und gemeinsame (Weiter)Entwicklung von Angeboten
Ziel ist, dass alle Teilnehmenden nach der Fortbildung
- Situationen aus ihrem Arbeitsalltag mit Jungen* differenzierter einordnen,
- eigene Haltungen, Erwartungen und Grenzsetzungen bewusster reflektieren und
- Dynamiken in Gruppen und Übergangssituationen sicherer begleiten können.
Zudem sollen alle Teilnehmenden mit ersten Ansätzen einer Idee für ein Jungen*angebot, ein Jungen*projekt oder eine Jungen*-AG nach Hause fahren.
Die Fortbildung ist geschlechterreflektiert und systemisch orientiert. Verhalten von Jungen* wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang von Beziehungen, Entwicklungsaufgaben und institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ziel ist nicht die Optimierung von Jungen*, sondern die Entwicklung tragfähiger Beziehungs- und Handlungsräume im schulischen Alltag.
Hinweis: *Das (Gender-)Sternchen wird von uns verwendet, um ein Wort geschlechtlich zu öffnen und um zu verdeutlichen, dass Personen jeden Geschlechts, biologisch wie sozial, angesprochen sind. Hinsichtlich Jungen* und Männern* möchten wir die geschlechtliche Vielfalt von Männlichkeiten* benennen und betonen, dass wir eine Haltung der geschlechtlichen Selbstbestimmung vertreten.
