Praxisprojekte

Eine zentrale Aufgabe des Projektes "Irgendwie Hier! Flucht-Migration-Männlichkeiten" ist es, im Projektverlauf exemplarische Praxisprojekte der geschlechtsspezifischen, inter- und transkulturellen Jugendarbeit zu initiieren, zu entwickeln und zu begleiten.

Es gilt relevante Themen der Jungenarbeit mit flucht- und migrationserfahrenen jungen Männern* zu identifizieren, in pädagogische Konzepte zu übersetzen und deren Umsetzung zu unterstützen und zu evaluieren. Gleichzeitig werden die Projekte dokumentarisch begleitet, um die Erkenntnisse und Konzepte aufzunehmen, zu abstrahieren und als Praxismodelle, welche exemplarisch für die pädagogische Arbeit mit geflüchteten und migrationserfahrenen Jungen* stehen können, der Praxislandschaft NRW zur Verfügung zu stellen.

Von der Rolle - vom tradierten zum reflektierten Rollenbild

2019: Kooperation mit der Diakonie für Bielefeld gGmbH

Das Praxisprojekt "Von der Rolle" der Diakonie für Bielefeld gGmbH spricht Jungen* ab dem Grundschulalter an. Ihnen wird die Chance geboten, sich mit tradierten Geschlechterrollen und ihrem kulturellen Verständnis von Männlichkeit*, welches durch Flucht und Migration geprägt ist aktiv auseinanderzusetzen und es zu reflektieren und zu dekonstruieren.

In regelmäßigen Gruppentreffen in der Bielefelder Stadtteileinrichtung HELLi haben die Teilnehmer* sich mit ihren eigenen Vorstellungen vom "Mann* sein" und den durch die Gesellschaft an sie gestellten Erwartungen auseinandergesetzt. Die Zielsetzungen dabei entsprechen denen der "Bielefelder Rahmenrichtlinien zur Förderung der Jungenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe". Insbesondere sollen die Jungen* selbstkritisch reflektieren, patriarchale Strukturen und tradierte Rollenerwartungen hinterfragen und ein Selbstbild entwickeln, welches nicht auf die Abwertung von Anderen angewiesen ist. Des Weiteren sollen soziale Kompetenzen wie Einfühlsamkeit, Kommunikationsfähigkeit, Wahrnehmungs- und Kooperationsfähigkeit entwickelt werden, sowie Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. Dabei wird die Kategorie Flucht und Migration stets als prägendes Element in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und als relevanter Faktor in ihren Konstruktionen von Männlichkeit* mitgedacht.

In den ersten Treffen ging es darum, die Gruppe als solche zu finden, zu stärken und die Jungen* zu befähigen sich in einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre auf einen Dialog zum Thema "Mann* sein" miteinander und den Jungenarbeitern einzulassen. Außerdem wurden Vorschläge und Ideen für Aktionen innerhalb des Projektes gesammelt. Unter anderem wurde von diesen Ideen ein gemeinsamer Termin realisiert, bei dem die Gruppe eine Kanu-Tour gemacht hat. Des Weiteren wurden bestehende Rollenbilder anhand bestehender Popkultur in Form von Superhelden thematisiert. Hierzu wurden Marvel-Filme im Kino besucht und es gab anschließende Reflektionsgespräche. Im Zuge dessen gab es außerdem einen Graffiti-Workshop, bei dem gemeinsam mit einem professionellen Sprüher ein Container mit selbstgestalteten Superhelden besprüht wurde.

Ziel ist es, mit den Jungen* durch gemeinsame Aktionen und Spaß sowie durch Gespräche im vertrauten und sicheren Rahmen das Thema Rollenbilder und die eigene Sicht auf die Frage "Was macht einen Mann* aus?" vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenswelt zu thematisieren und zu bearbeiten.

Männer* von morgen

2019: Kooperation mit dem Verein kamerunischer Ingenieure und Informatiker, Ruhrbezirk e.V. (VKII)

Sich austauschen, Frust rauslassen, Neues lernen, Spaß haben, Freunde werden – darum geht es bei "Männer* von morgen", eine Gruppe des Dortmunder Vereins VKII. In der Jungen*gruppe für männliche* Jugendliche und junge Männer* von 16 bis 27 Jahren, die migriert oder geflüchtet sind, liegt der Schwerpunkt auf Empowerment und der Entwicklung reflektierter Männlichkeiten. Die Treffen finden häufig im Workshop-Format statt und beschäftigen sich mit intensiven Themen wie Teilhabe, Trauma und Identitäten.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Orientierung an den Durchführenden und Referent*innen. Als Identifikationsfiguren schaffen sie eine vertrauensvolle Basis, um in der Gruppe zu persönlichen Themen zu arbeiten. Sie geben den jungen Männern* Strategien an die Hand, um mit Rassismus, mit dem sie konfrontiert sind, umzugehen. Sie stärken sie in ihrem Selbstbewusstsein und unterstützen sie dabei ein eigenes Männlichkeitsbild für sich zu finden.

Neben den inhaltlich-thematischen Schwerpunkten ist aber auch viel Raum für Spaß und die Entwicklung eines starken Gemeinschaftsgefühls. Dazu finden einerseits pädagogische Teambuilding-Einheiten zum gegenseitigen Kennenlernen statt. Zum Anderen schaffen kreative Elemente wie Improtheater- und Tanz-Workshops Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den non-verbalen Zugang zur Person.

   

Altes Konzept mit neuen Inhalten

Migration in der Jungenarbeit

2019: Kooperation mit dem Caritasverband Ahaus-Vreden

"Stärken stärken, Schwächen schwächen" lautete das Motto des Angebots, das die Fachkräfte vor Ort für die Praxisprojekt-Kooperation mit der LAG Jungenarbeit NRW im Rahmen von "Irgendwie Hier!" im Jahr 2019 kultursensibel überarbeitet haben. Geschlechtsspezifische Jungenarbeit ist in den Angeboten der Caritas-Beratungsstelle Ahaus-Vreden für Kinder, Jugendliche und Eltern schon seit nahezu 20 Jahren fest verankert. Nun wurde der Blick für die Themen Migration und Flucht geschärft.

Es ging um die Stärkung des Selbstbewusstseins, das Erlernen gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien, die Auseinandersetzung mit der eigenen körperlichen und seelischen Entwicklung vom Jungen zum Mann und um das Erkennen eigener Grenzen und versteckter Talente. In dem neuen Angebot standen nun auch die transkulturellen Lebensbiografien der Jungen und der Umgang mit erlebten Brüchen im Mittelpunkt. In der vertrauten Atmosphäre der Gruppenarbeit wurde Raum geschaffen, mit den Jungen über sensible und tabuisierte Themen wie Familie, Sexualität und Identität zu sprechen. Gespräche mit den Gruppenleitern, aber auch der Austausch mit Gleichaltrigen waren für die Jungen von besonderem Wert. Neben dem offiziellen Gruppenprogramm entwickelten sich Freundschaften und die Neugierde auf die Lebensentwürfe der anderen Jungen.

Beim Vater-Sohn-Tag kamen die Jungen und Männer während des Ausflugs zur Kletterhalle in verbindenden Kontakt. Es bot sich den Familien – neben gemeinsamen Grenzerfahrungen – Raum für kultur- und geschlechtssensiblen Austausch.

Das Fazit der Caritas-Mitarbeiter: eine sehr intensive Zusammenarbeit mit vielfältigen neuen Erkenntnissen und eine besondere Erfahrung für die Jungen.                       

Rassismuskritik und Empowerment in der Kinder- und Jugendarbeit

2018: Kooperation mit IDA NRW und Coach e.V.

Erfahrungen von Nichtzugehörigkeit, Ausgrenzung und struktureller Benachteiligung sind Alltag im Leben von geflüchteten jungen Menschen. Dieses Erleben, sowie die damit verbundenen Kämpfe verschiedener Gruppen um Gleichberechtigung werden oft unsichtbar gemacht oder individualisiert. Kritik hieran muss von Multiplikator*innen der Jugendarbeit mehrdimensional begriffen werden, damit sich partizipative, rassismuskritische, diskriminierungssensible bzw. empowerment- und menschenrechtsorientierte Ansätze verbreiten können. Die Jugendarbeit schafft Räume, in denen Partizipation und Selbstbestimmung Grundprinzipien darstellen sollten. Deshalb müsste die Jugendarbeit besonders gute Voraussetzungen für Empowerment-Projekte und -Räume bieten.

In diesem Praxisprojekt wurden Einrichtungen und Organisationen der (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit für die Themen Rassismuskritik und Empowerment sensibilisiert. Konkret wurde modellhaft das Thema Rassismuserfahrungen von geflüchteten Jungen und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte auf verschiedenen Handlungsebenen aufgegriffen und bearbeitet.

Weitere Informationen zu diesem Praxisprojekt finden sie in unserer Projektdokumentation 2018.

Partizipative Entwicklung eines Schutzkonzeptes

in einer Jugendhilfeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge/Junge Geflüchtete

2018: Kooperation mit dem VSE NRW e.V. und Zartbitter Münster e.V.

Im Januar 2018 startete die Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit NRW im Projekt "Irgendwie Hier!" gemeinsam mit dem Zartbitter Münster e.V. und dem Verbund
sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V. die partizipative Entwicklung eines Schutzkonzeptes für und mit männlichen Geflüchteten in Jugendhilfeeinrichtungen.

Da das Thema Schutzkonzepte in pädagogischen Organisationen für die Jugendhilfe ein zunehmend bedeutsames Thema der Fachöffentlichkeit ist und die gesellschaftliche Diskussion
zu dem Themenkomplex "Flucht-Migration-Männlichkeit" immer wieder - und häufig leider auch einseitig - angeheizt wird, halten wir es für eine zentrale Aufgabe, diese Praxisaufgabe in Verbindung zu denken und Ernst zu nehmen. Als Schwerpunkte in der Erarbeitung des Schutzkonzeptes wurden die folgenden Themen gesetzt: Erstellung eines sexualpädagogischen Konzeptes, Partizipation und Beschwerdemanagement.

Weitere Informationen zu diesem Praxisprojekt finden sie in unserer Projektdokumentation 2018.

Nicht nur Geschichten im Gepäck

2018: Kooperation mit dem Psychosozialen Traumazentrum für Flüchtlinge in Ahlen

Geflüchtete aus Kriegs- und Krisengebieten kommen oft mit wenig Gepäck. Doch sie haben mehr als ihre traumatischen Erfahrungen des Krieges und der Flucht bei sich. Dieses "mehr" kann die Basis für Veränderungen werden.

Das Projekt "Nicht nur Geschichten im Gepäck" richtet sich auch und besonders an junge Männer, welche mit traumatischen Erfahrungen nach Deutschland gekommen sind. Mit den Stilmitteln des Films und der Fotografie zeigen sie uns, was sie erlebt haben, wie ihre Erfahrungen bei uns in Deutschland sind und wie sie sich damit fühlen. Die jungen Männer entwickeln ihre ganz persönlichen Geschichten, welche sie uns mit und ohne Worte in Bild und Film erzählen.

Sie finden eine Symbolsprache für das Erlebte in der Vergangenheit, das Leben in einer fremd erscheinenden Kultur in der Gegenwart und für ihre Wünsche an die Zukunft. Ein bedeutendes Augenmerk im Projekt richtet sich stets auf die Auseinandersetzung mit diesen Themen aus männlicher* Perspektive.
Die kreative Arbeit mit den eigenen Lebenserfahrungen weckt Ressourcen, stärkt das Selbstbewusstsein, findet eine Sprache und setzt der erlebten Hilflosigkeit etwas entgegen. Aus der Arbeit heraus entstehen zwischenmenschliche Beziehungen, die die jungen Männer auch im Alltag tragen.

Weitere Informationen zu diesem Praxisprojekt finden sie in unserer Projektdokumentation 2018.

Interkulturelle Väterarbeit in der KiTa

2017: Kooperation mit dem Familienzentrum "Kindergarten Schiffskoje", Dortmund

Im Jahresverlauf 2017 begleitete die LAG Jungenarbeit NRW ein gemeinsames Projekt mit dem Familienzentrum "Kindergarten Schiffskoje" in Dortmund. Von Juni bis November fanden verschiedene Vater-Sohn Aktionen und Vätertreffen statt, in welchen sich auf Grundlage von gemeinsamer Freizeitgestaltung interkulturell zu Thematiken der Väterarbeit ausgetauscht wurde.

Gemeinsam wird sich "im Vater sein" unterstützt und voneinander gelernt. Die Gruppenaktionen sind bewusst geöffnet und stehen für Vielfalt. So sind die Männer grade in ihrer Unterschiedlichkeit, mit ihren individuellen Perspektiven, herzlich eingeladen. In abendlichen Elterntreffen werden sowohl sachliche als auch emotionale Fragen des Elternseins besprochen. In gemeinsamen Aktionen für die Väter mit ihren Söhnen wird die Unterschiedlichkeit von Familien und die Besonderheit der Vater-Sohn Beziehung aufgegriffen – frei nach dem Motto: Aus Jungen werden Männer, aus Männern werden (manchmal) Väter.

Impulse

Interkulturelle Sexual- und Beziehungspädagogik

2017: Kooperation mit dem Lore Agnes Haus in Essen

In der zweiten Jahreshälfte 2017 hat das Projekt "Irgendwie Hier!" in Zusammenarbeit mit dem Lore Agnes Haus in Essen ein Angebot für fluchterfahrene Jungen* und junge Männer* geschaffen, welches Raum für den Austausch über die Themen Liebe, Beziehungen und Sexualität bietet. Die Gruppenangebote richteten sich an internationale Förderklassen von Essener Berufskollegs und an Wohneinrichtungen unbegleiteter, minderjähriger Geflüchteter und nahmen somit die Arbeit mit Jungen* im Alter von 15-26 Jahren in den Fokus.

Kernelement des Projektes war es einen geschützten Rahmen zu installieren um bewegende Themen und Fragestellungen der jungen Menschen mit ihnen besprechen und reflektieren zu können.  Die Workshops wurden von sexualpädagogisch geschulten, männlichen Sprach- und Kulturmittlern begleitet. Diese agierten durch ähnliche kulturelle Herkunft und Erfahrungskongruenz zugleich als Rollenorientierung. Ziele der Arbeit war es, dass die Jugendlichen einen selbstbestimmten Zugang zur eigenen Sexualität erleben, möglicherweise angeeignete Werte und Normen reflektieren, verschiedene Modelle von Beziehung und Liebe kennen lernen und mehr Wissen über den eigenen Körper erlangen. Auch kriegten die jungen Menschen die Gelegenheit eine Erfahrung mit dem psychosozialen und gesundheitlichen Beratungs- und Hilfssystem in Deutschland zu machen. Die Materialentwicklung des Projektes in Form einer Praxismappe zum sexualpädagogischen Angebot mit dem Schwerpunkt auf interkultureller Männlichkeit steht ab sofort zum Download zur Verfügung.

Edries Hosseini, David Klöcker, Ahmed Hassan

MUT proben

Welche Gesichter hat Mut? – Ein TanzTheaterVideoProjekt

2017: Kooperation mit "Coach e. V." und dem "disdance project" Köln

In den ersten beiden Wochen der Sommerferien 2017 brachte das Projekt "Irgendwie Hier!" ein Intensiv-TanzTheaterVideo-Projekt für geflüchtete junge Männer* nach Erftstadt.

Entlang der Fragestellungen "Welche Gesichter hat Mut? Wie zeigt er sich? Wofür brauchen wir ihn? Woher nehmen wir ihn?" haben sich die fünfzehn Teilnehmer*, mit vollem Einsatz von Körper und Geist, in die Projektarbeit begeben. Angeleitet von den Kulturschaffenden André Lehnert und Paula Scherf vom "disdance projekt" und in enger Kooperation mit Coach e.V. wurde trainiert, in Szene gesetzt und Choreographien entwickelt. Themen von "Mannesmut bis Wehmut", von "Sanftmut bis Todesmut", von "entmutigt bis übermütig" wurden grundlegend verhandelt. Mittels Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, mit zeitgenössischem Tanz, mit den Grundlagen von Schauspiel und Kameraarbeit sowie mit Improvisation und Spiel gingen die jungen Menschen ihren zentralen Fragen nach Männlichkeit(en), Ehre, Familienbild, Gruppenzugehörigkeit und sexueller Identität nach.

Am Themenfeld entlang entwickelten sie eine bühnenreife Präsentation, welche am 05.08. als Abschlusspräsentation inszeniert und aufgeführt wurde.

Jungen und ihre Freundschaften in globalen Zeiten

Biographisches Arbeiten mit Pinsel und Leinwand – Eine Vernissage

2017: Kooperation mit dem Linoclub und dem Gymnasium Köln-Pesch

Im Rahmen dieses Projektes der interkulturellen Jungenarbeit wurde eine Projektwoche des Gymnasiums Köln-Pesch genutzt, um Jungen* einer internationalen Klasse die Möglichkeit zu eröffnen, sich biographisch mit ihrem Verhältnis zu Jungen- und Männerfreundschaften im interkulturellen Kontext zu beschäftigen. Geleitet wurde dieses Projekt von dem Künstler und Jungenarbeiter Renato Liermann.

Mit Unterstützung einer Sprachmittlerin setzten die jungen Männer sich sehr persönlich mit ihren Gedanken auseinander, um anschließend mit kunstpädagogischer Begleitung kreativ zu werden. Eine Vernissage in der Schule zum Abschluss der Projektwoche, unter Begleitung eines Musikprojektes der internationalen Klasse, bot die Möglichkeit die erarbeiteten Werke mit Mitschüler*innen und Lehrkräften zu teilen.

Boys kick ass!

Mediale Heldenentwürfe – Ein Trickfilm- und Fotoprojekt

2017: Kooperation mit dem Falkenheim OT Tannenhof in Düsseldorf

Im Frühjahr 2017 wurde dieses 8-wöchige Praxisprojekt der Medienpädagogik durchgeführt. Im Sinne der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wurde hier ein freies Angebot realisiert, in welchem sich jedoch sehr schnell eine feste internationale Gruppe von teilweise flucht- und migrationserfahrenen, teilweise deutschen Kindern etablierte.

Mit der Frage nach den Helden(vor)bildern der jungen Menschen sind die Pädagog*innen in ihr Querschnittsthema Geschlechterrolle und Kulturbezogenheit eingestiegen. Mit dem besonderen Blick auf mediale Männlichkeitsinszenierungen und öffentlich behandelte Heldenfiguren kam die Gruppe in eine inhaltliche Auseinandersetzung. Die entwickelten Gedanken und Impulse wurden mit Fotokameras und Trickfilmtechnik eingefangen und in Szene gesetzt.

Zeitschriftcollagen, Fotoalben der "Helden des Alltags" und aufgezeichnete Selbstinszenierungen waren nur einige der Ergebnisse des Projektes.

Longboards selber bauen!

Körper erleben und Stadtraum aneignen – Ein Workshop

2017: Kooperation mit dem Stadtteilzentrum U-27 und der Ökumenischen Trägerkooperation in Bochum

In den Osterferien 2017 hat das Projekt "Irgendwie Hier! Flucht-Migration-Männlichkeiten" ein Angebot geschaffen, welches elf fluchterfahrenen jungen Menschen ermöglichte, sich eigene Longboards zu bauen und das Fahren damit zu erlernen.

Der spannende Prozess vom Rohmaterial bis hin zum selbst gestalteten Board hat die Jungen und Mädchen in engen Kontakt mit ihren Werken gebracht. So entwickelte sich eine ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Brett. Für die Jugendlichen war die wertschätzende gemeinsame Arbeit mit den Pädagogen eine besondere Erfahrung. Die Möglichkeit künstlerisch aktiv zu sein, die eigenen handwerklichen Fähigkeiten zu erleben und die neu angeeigneten Techniken direkt zu erproben, eröffnete völlig neue Horizonte.

Eng verbunden mit dem künstlerischen Erfahren der Materialien und der Erschaffung eines ganz persönlichen Objektes wurde das Sportgerät schließlich auch seinem Zweck zugeführt. Fahrtraining, Sicherheitsschulung und die ersten Tricks wurden gelernt, um nachher auf der Straße eine gute Figur zu machen. Damit war der Weg für die jungen Menschen geebnet, sich auf eigene Faust in den öffentlichen Raum zu begeben, sich in der urbanen Szene gegenseitig zu erleben und öffentlich bemerkbar zu machen. Durch das neue Hobby gelang es den Jugendlichen sich selbst und untereinander als junge Menschen zu erleben, deren Lebensalltag nicht nur von Ausgrenzung, Verlust, Sorgen und Zukunftsangst geprägt ist.

Rauschmittelerfahrungen junger geflüchteter Männer*

Ein Methodenkoffer

2016/2017: Kooperation mit der Jugend- und Drogenberatung WestVest in Marl

Im Fokus dieses Projektes, welches Ende 2016/Anfang 2017 realisiert wurde, stand das Thema Rauschmittelprävention im Kontext Flucht und Männlichkeit.

Ziel des Projektes war es, durch qualitative Gespräche den besonderen Präventionsbedarf im Querschnitt "Fluchterfahrung" und "Männlich sein" zu erheben und hieraus Praxismaterial zu entwickeln, welches sowohl Fachkräften der Suchtarbeit als auch fachfremden Jugendarbeiter*innen zur Unterstützung ihrer pädagogischen Arbeit dienen sollte.

Im Projekt wurde zunächst ein vertrauensvoller Kontakt zu fluchterfahrenen jungen Männern* aufgebaut, um auf persönlicher Ebene mit ihnen ins Gespräch über ihre Erfahrungen mit Rausch- und Suchtmitteln kommen zu können. In mehreren Gruppen- und Einzeltreffen wurden gemeinsam mit diesen Jungen* Methoden und Inhalte zu den besprochenen Themen entwickelt. Aus den Erkenntnissen der Gruppenarbeiten wurden Präventionsmaterialien für die Praxis zusammengestellt.

Diese wurden sowohl von Jugendlichen als auch von Fachkräften der Suchtprävention im Rahmen von durchgeführten Werkstattgespräche geprüft, reflektiert und weiterentwickelt.

Die vorliegende Präventionsmappe ist, neben weiterem Material, ein Ergebnis dieses Praxisprojektes.

Preis

40,00 Euro inkl. Verpackungs- und Versandkosten
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Transkultureller und Interreligiöser Dialog

Ein Bühnenstück

2016: Kooperation mit der Evangelischen Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen - Jugendbildungsstätte Hagen Berchum (ESW), dem Kultopia und dem Music Office Hagen

Von Oktober bis Dezember 2016 fand im Kultopia Hagen ein mehrwöchiges Musik- und Theaterprojekt statt, in welchem Regisseur, Sänger und Schauspiellehrer Gandhi Chahine mit jungen geflüchteten und nicht-geflüchteten Menschen an einem Bühnenstück arbeitete.

In regelmäßiger Gruppenarbeit wurde sich mit religiösen, philosophischen und interkulturellen Fragen befasst. Zentrale Gesprächsthemen waren die eigenen Erfahrungen mit Geschlechterrollen, Rassismen und Zuschreibungen anderer Art. Sich den schwierigen, teilweise emotionalen, Themen über die Sprachbarriere hinaus zu nähern war nicht leicht. Künstlerisch, mit musik- und theaterpädagogischer Methodik, kam die Gruppe zusammen und schuf sich einen geschützten Raum für Inhalte auf sehr persönlicher Ebene.

Im Dezember 2016 haben die jungen Menschen die Ergebnisse in einer Aufführung präsentiert und sind anschließend mit den Gästen ins Gespräch über ihre Erfahrungen gekommen.

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