Frauen in der Jungenarbeit - Basisqualifikation

Teil 1: Eine Basisqualifikation

Jungen* sind eine wichtige Gruppe in der ­Kinder- und Jugendarbeit, die oft als problematisch, laut oder gefährdet wahrgenommen werden. Das Aufwachsen von Jungen* verläuft oft konfliktreich und nicht ohne Reibung und Verluste. Dazu gibt es Jungen*, die ­selber eher nicht männlich identifiziert werden möchten – auch sie stoßen damit auf ­Widerspruch und müssen sich entsprechenden ­Anfragen ­gegenüber verhalten. Hier besteht für soziale und ­pädagogische Arbeit eine Perspektive, indem Jungen* sich ausprobieren, Grenzen über­treten und auch scheitern – ein Feld, in dem es sich lohnt professionell zu arbeiten: In der Jungen­arbeit können die Jungen* den Mut finden, jenseits ­angebotener ­Verhaltensweisen etwas Neues, ­Ungewöhnliches oder sogar Uncooles auszuprobieren, etwas zu ­spüren, ­etwas von sich und ihrem Inneren zu ­erfahren oder gar zu zeigen. Sie können dabei einen Zugang zu eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Stärken oder Schwächen finden. Zugleich erhalten sie in diesem Rahmen die Chance ihre ­sozialen ­Kompetenzen im Team weiter zu entwickeln. ­Jungenarbeit wurde und wird als ein geschlechts­homogenes Zusammen­treffen von ­Jungen* mit männlichen Fachkräften definiert.


Ziel ist es, Jungen* geschlechtergerecht an­zusprechen und jungen*adäquate pädagogische Zugänge zu entwickeln. Generell geht es darum
die Entwicklung­ einer selbstbestimmten und -verantwortlichen ­Persönlichkeit des Jungen* zu fördern. Konkret sollen Kompetenzen der Jungen* gefördert werden, die ihnen Sicherheit geben und ihr Verhaltensspektrum erweitern. Dies schließt auch die Veränderung von Geschlechterverhältnissen in Richtung Gleichheit und Gerechtigkeit ein – und damit ein Thema, das auch viele Jungen* sehr motiviert kreativ zu werden. In Ergänzung zu einer unspezifischen Beschäftigung mit einzelnen Jungen* bzw. Jungen*­gruppen setzt eine geschlechtersensible Jungenarbeit konkrete Anforderungen an die Fachkräfte voraus. Zentral dabei ist eine den Jungen* ­zugewandte Haltung der Fachkräfte. Um Jungenarbeit qualifiziert ausüben zu können, lernen diese den Einfluss von Gender auf Jungen* bzw. ­Zuschreibungen aufgrund des Geschlechtes kennen. Die Fachkräfte sensibilisieren sich für die Verarbeitungsformen, die Jungen* wählen, um dann ihre Ansprache, ihre Ziele und ihre Konzepte in Bezug auf die Jungen* zu reflektieren. Aktuelle ­Diskurse der Genderforschung stellen viele Fragen an das Konzept geschlechterhomogener Arbeit. Unabhängig davon ist es faktisch so, dass viele Frauen in ­sozialen und pädagogischen Arbeitsfeldern tätig sind und mit ­Jungen* arbeiten. Daher sieht es die LAG Jungenarbeit NRW als ihre Aufgabe, auch Frauen für die Arbeit mit Jungen* zu qualifizieren.

In dieser zweitägigen Fortbildung werden eigene­ ­biographische Zugänge zum Arbeitsfeld "Jungen*"­ erschlossen, grundlegende Sozialisations­beding­ungen von Jungen* betrachtet und gesellschaftliche Anforderungen an ein Jungen*leben heraus­ge­arbeitet. Dazu dient eine Einordnung in Gender­ansätze und die Berücksichtigung eines Blicks auf Mädchen* sowie andere kreuzende Kategorien pädagogischer Arbeit: Von welchen Jungen* reden wir in Bezug auf Alter, Herkunft, soziale Verortung, Bildung, sexuelle Orientierung etc.. Auch die Frage, welche Chancen und Grenzen darin liegen, wenn Frauen mit Jungen* arbeiten, wird berücksichtigt. Praxis-Beispiele aus der Jungenarbeit bzw. die Einbeziehung der pädagogischen Arbeit der Teil­nehmerinnen und die Reflektion dieser Praxis ­runden die Fortbildungstage ab. Die Teilnahme am ersten Teil ist Bedingung für die Teilnahme am zweiten Teil der Fortbildung.

Hier geht es zum Aufbauseminar (Teil 2) dieses Qualifizierungsangebots.

zielgruppe

Die Fortbildung ist für weibliche Fach- und Lehrkräfte ausgeschrieben.

Termin

20. und 21. Februar 2020

Ort

Fritz-Henßler-Haus
Geschwister-Scholl-Str. 33-37
44135 Dortmund

Teilnahmebeitrag

150,00 Euro

 

referent*innen

Institut für Gender-Perspektiven, Minden / HeRoes, Duisburg