Qualifizierungen

Jungenarbeit ist als Qualitätsmerkmal in der Kinder- und Jugendhilfe und als Beitrag zur Gleichberechtigung aller Geschlechter anerkannt. Sie gilt als Querschnittsaufgabe und ist im SGB VIII sowie dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW verankert. Eine Umsetzung als Querschnittsaufgabe sowie die strukturelle und konzeptionelle Verankerung in den Einrichtungen, Angeboten und Maßnahmen nach SGB VIII bedarf jedoch, im Sinne von Jungenarbeit, qualifizierter Fachkräfte.

Die LAG Jungenarbeit NRW setzt daher in Kooperation mit den Landesjugendämtern Rheinland und Westfalen berufsbegleitende Qualifizierungsangebote um. Diese ergänzen das umfassende Fortbildungs- und Tagungsangebot der Fachstelle Jungenarbeit NRW um mehrtägige Qualifizierungskurse, die sich zudem über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Die eingesetzten Referent*innen sind erfahren in der Jungenarbeit und haben diese viele Jahre auf kommunaler, Landes- und Bundesebene entwickelt, betrieben und vermittelt.

Qualifizierung Jungenarbeit

Haltung und Handwerkszeug: entwickeln, umsetzen, reflektieren

Eine Qualifizierung für Fachkräfte aller Geschlechter

 

In der Jungenarbeit gilt es die Bedürfnisse und Interessen von Jungen* zu erkennen und diversitätsbezogene Angebote für Jungen* zu entwickeln. Jungen* sollen geschlechtergerecht angesprochen werden, um die Entwicklung ihrer selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Persönlichkeit zu fördern. Jungenarbeit ist ein pädagogisches Beziehungsangebot und nimmt die Lebenswelten von Jungen* ernst. Sie ist Qualitätsmerkmal und Querschnittsaufgabe in der Jugendhilfe.

 

Diese Qualifizierung vermittelt Kenntnisse über den Einfluss von Geschlechterzuschreibungen, über Bedürfnisse, Gefühle und Stärken von Jungen* und über Verarbeitungsformen, die Jungen* wählen. Probleme, die Jungen* haben, und die Probleme, die Jungen* machen werden aufgegriffen und reflektiert. Es geht um Sympathie für eigensinnige Inszenierungen gleichermaßen wie um pädagogische Grenzziehungen.

Fachkräfte lernen eigene Ansprachen, Ziele, Konzepte und pädagogisches Handwerkszeug zu entwickeln. Dabei steht immer die konkrete Alltagspraxis der Teilnehmenden und die Handlungskompetenz in der Arbeit mit Jungen* im Mittelpunkt.

 

Ihr Nutzen:

  • Jungenarbeit begründen (Bedarfe von Jungen* und ihres Umfelds, gesetzliche Grundlagen)
  • Genderbewusste Reflexion der eigenen Haltung und des eigenen Verhaltens: Ich als Mann* / als Frau* in der Jungenarbeit.
  • Jungenarbeit entwickeln (Päd. Ziele, Konzepte) und gestalten (Projekte, Methoden)
  • Begleitung von Jungen* bei herausfordernden Themen, z.B. im Umgang mit Rollenerwartungen, Sexualität, Identität, Bildung und Gewalt
  • Anregung für die Weiterentwicklung der eigenen Organisation

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für Fachkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

nächste Termine

Qualifizierungsmodul Teil 1: 16.-18.11.2020
Tag 1: 10:00 - ca. 18:00 Uhr
Tag 2: 09:00 - ca. 18:00 Uhr
Tag 3: 09:00 - ca. 16:00 Uhr

Qualifizierungsmodul Teil 2: 14.-16.12.2020
Tag 4: 10:00 - ca. 18:00 Uhr
Tag 5: 09:00 - ca. 18:00 Uhr
Tag 6: 09:00 - ca. 16:00 Uhr

Praxismodul: Januar bis Mai 2021

Reflexionsmodul: 6./7.5.2021
Tag 7: 10:00 - ca. 18:00 Uhr
Tag 8: 09:00 - ca. 16:00 Uhr

 Ort

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho
Oeynhausener Str. 1
32602 Vlotho

Teilnahmebeitrag

680,00 € Teilnahmeentgelt
284,01 € Verpflegung
210,00 € Übernachtung EZ
135,00 € Übernachtung DZ

Referenten

LAG Jungenarbeit NRW, Dortmund

Anmeldung

Anmeldungen über Nicole Wehage per Mail an oder telefonisch unter Tel. 05733 923-314

Handwerkszeug und Haltung sind gefragt

Von der Arbeit mit Jungen zur Jungenarbeit. Ein praxisbegleitendes Qualifizierungsangebot

Dieser Qualifizierungskurs richtet sich an männliche* Fachkräfte, die ihr pädagogisches Handwerkszeug erweitern wollen und einen reflektierten Zugang zum Thema Jungenarbeit suchen. Die Qualifizierung ermöglicht einen Einblick in die individuellen Lebens- und Problemlagen von Jungen*, vermittelt konzeptionelles und methodisches Knowhow für die Berufspraxis und zeigt Strukturen für die kollegiale Beratung mit anderen Jungenarbeitern auf.

Der Qualifizierungskurs beinhaltet drei Module:

Er beginnt mit einem zweiteiligen Qualifizierungsmodul (jeweils drei Seminartage) zu den Grundlagen geschlechterbezogener und Arbeit mit Jungen*. Es folgt ein mehrmonatiges Praxismodul, in dessen Verlauf die Teilnehmenden Gelerntes in ihren Einrichtungen und Praxisfeldern umsetzen und ein auf ihren Arbeitsalltag zugeschnittenes geschlechterbezogenes Projekt/Angebot mit Jungen* entwickeln und durchführen. Dabei geht es auch darum zu klären, wie sich Jugendarbeit in der Einrichtung/dem Angebotsprogramm strukturell und konzeptionell verankern lässt. In der Zeit des Praxismoduls findet das zweite Qualifizierungsseminar statt, sodass Gelegenheit zur fachlichen Reflexion der ersten Praxiserfahrungen besteht. Den Abschluss des Qualifizierungskurses bildet ein zweitägiges Reflexionsmodul.

Ein erfolgreicher Abschluss des Qualifizierungskurses erfordert die Teilnahme an den Fortbildungstagen, die Planung und Durchführung eines geschlechterbezogenen Projektes/Angebots mit Jungen*, die Erstellung eines Berichtes zum Vorhaben und eine Präsentation im Rahmen des Reflexionsmoduls und führt zu einem Qualifizierungsnachweis, ausgestellt vom LVR-Landesjugendamt Rheinland und der LAG Jungenarbeit NRW.

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für männliche* Fach- und Lehrkräfte ausgeschrieben. Vorkenntnisse in der geschlechterbezogenen Arbeit werden nicht vorausgesetzt.

nächste Termine


Qualifizierung 2019/2020:

Seminar I vom 3. bis zum 5. Juli 2019
Seminar II vom 27. bis zum 29. November 2019
Seminar III vom 29. bis zum 30. April 2020 (ABGESAGT: Ein Nachholtermin wird in Kürze bekannt gegeben.)

 

Qualifizierung 2021:

Seminar I vom 3. bis zum 5. März 2021
Seminar II vom 14. bis zum 16. Juni 2021
Seminar III vom 28. bis zum 29. Oktober 2021

 Ort

Sportschule Hennef
Sövener Straße 60
53773 Hennef

Referenten

Bielefeld / Köln

Traumapädagogik in der Jungenarbeit

Teil I: Ich glaub, ich bin im falschen Film!

In der pädagogischen Arbeit mit Jungen* stoßen Fachkräfte immer wieder auf Verhaltensweisen, die irritieren. Verhalten kann ganz plötzlich umschlagen. Pädagog*innen haben dann das Gefühl, sie seien "im falschen Film". Möglicherweise ist das ein Hinweis, dass die Jungen*, mit denen sie dann zu tun haben, in einem falschen, weil alten Film sind. Sie reagieren nicht auf die aktuelle Situation, sondern agieren aus ihrem Erfahrungs- und Belastungsrucksack. Wir sprechen dann von "Trauma" und von "traumatischen Erfahrungen, die angetriggert (ausgelöst) sind".

Ein Trauma ist eine überfordernde, existenzbedrohliche Belastungserfahrung, die im Gehirn wie eine schreibgeschützte Datei isoliert gespeichert ist und sich so immer wieder im Alltag meldet und sich dann nicht wie eine Erinnerung, sondern wie Gegenwart anfühlt. Das macht sich bemerkbar in der Beeinträchtigung der Wahrnehmung, der Orientierung, der Selbststeuerung, der Impuls- und Affektkontrolle sowie in körperlichen Anspannungs- oder Erschlaffungszuständen.

Traumapädagogik hilft, dies besser zu verstehen und auch den betroffenen Jungen* verstehbar zu machen. Sie bietet Möglichkeiten der angemessenen pädagogischen Begleitung und Intervention.

Das Seminar vermittelt Theorie zu Psychotraumatologie, Traumapädagogik und Neurobiologie des Traumas sowie Bindungsentwicklung unter traumatischen Bedingungen. Es gibt Einblick in mögliche traumapädagogische Interventionen und bietet Raum für Fallarbeit aus der eigenen Praxis.

 

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Teil II: Ich glaub, der legt einen Schalter um!

"Ich glaub, der legt einen Schalter um!": Dieser Satz beschreibt die Erfahrung, dass es Jungen* gibt, die uns verwirren, weil sie uns in der Arbeit so unterschiedlich begegnen, dass wir das Gefühl haben, wir hätten es mit unterschiedlichen Personen zu tun: mal kooperativ und verständig, dann wieder für uns unkalkulierbar aggressiv, ein anderes Mal wieder verzagt und antriebslos.

Menschen, die wiederholt traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, bilden abgespaltene Muster im Gehirn, die antriggerbar (auslösbar) sind - sogenannte Ich-Zustände. Das geschieht überall dort, wo wiederholt Gewalt, Vernachlässigung oder Demütigungen erfahren werden.

In dieser Fortbildung soll es um die Psychotraumatologie der strukturellen Traumafolgestörungen gehen und um die Frage, wie angemessene Reaktionen und hilfreiche Interventionen aussehen können. Dabei wird die Innere-Teile-Arbeit eine besondere Rolle spielen mit ihrem Bemühen, dass Jungen* ihre eigenen Impulse und ungesteuerten Zustände besser verstehen und steuern lernen.

 

Hier geht es zur Anmeldung...

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

nächste Termine

Teil I: 26./27. April 2021
Teil II: 5./6. Oktober 2020

 Ort

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho
Oeynhausener Straße 1
32602 Vlotho

Teilnahmebeitrag

Pro Qualifizierungsblock (Teil 1 / Teil 2) gilt jeweils:

150,00 € Teilnahmeentgelt
67,00 € Verpflegung
42,00 € Übernachtung EZ
27,00 € Übernachtung DZ

Referent*innen

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho / Bielefeld

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