Sonstige Tagungen

Neben "klassischen" Qualifizierungs- und Fortbildungsangeboten hat die Fachstelle Jungenarbeit NRW in den letzten Jahren zunehmend auch Fachforen und Werkstattgespräch als offenes Veranstaltungsformat etabliert. Diese Formate ermöglichen eine noch stärkere Teilnehmendenorientierung und -beteiligung, da die Teilnehmenden im Anschluss an einen Impulsvortrag zu einem vorgegebenen Thema selbst bestimmen, an welchen Fragestellungen und Aspekten des Impulsvortrags weitergearbeitet werden soll.

Ziel dieser Angebotsformate ist es, die Ressourcen, Kompetenzen und Wissensbestände der Teilnehmenden stärker in die inhaltliche Kontur einer Tagung einfließen zu lassen und einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Barcamp

SAVE THE DATE: Barcamp junge(n)medien

Digitale Medien in der Jungenarbeit

Wir wollen reden! Und zwar darüber, welche Rolle digitale Medien in der Jungenarbeit spielen – und welche sie vielleicht zukünftig spielen sollten? Dazu laden wir Fachkräfte aller Geschlechter aus der Jungenarbeit und medienpädagogische Fachkräfte zu unserem Barcamp junge(n)medien ein.

Was ist ein Barcamp?

Bei einem Barcamp stehen Programm und Referent*innen nicht vorab fest. Vor Ort findet zu Beginn eine Einführung in die Methode und die gemeinsame Programmplanung statt. Alle, die ein Thema vorstellen oder diskutieren möchten, können dies im Rahmen eigener Workshops, sogenannter Sessions, tun. Ausgangspunkt kann ein Input, eine Frage oder ein Diskussionsbedarf sein – ganz am Interesse der Teilnehmenden orientiert. Die Themen werden in einen Zeit- und Raumplan eingetragen, sodass die Teilnehmenden unmittelbar vor Ort entscheiden, an welchen Programmteilen sie teilnehmen möchten. In klarer Abgrenzung zu traditionellen Tagungsformaten wird das Format auch Unkonferenz genannt.

Quelle: Jöran Muuß-Merholz/OERcamp bei Beltz in der Verlagsgruppe Beltz, CC BY 4.0 creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode

Zum Thema:

Schauen wir in aktuelle Mediennutzungsstudien oder den Jungen* direkt auf die Finger, sehen wir: Fast jeder Junge* zwischen 12 und 19 Jahren (92%, JIM-Studie 2019) besitzt heute ein Smartphone. Damit hat er nicht nur seine Peergroup gewissermaßen immer in Hosentasche oder Brustbeutel dabei, auch seinen Fernseher, seine Spielekonsole, seine Suchmaschine, seine Pornosammlung, seine Eltern.

Kurz: unter digitalen Vorzeichen wachsen junge Menschen heute völlig anders auf als vor 20, 30 Jahren – digitale Medien sind Sozialisationsagenten. Selbstverständlich auch in Sachen Geschlechterbilder. Die Forschung konzentriert sich aktuell zum Großteil auf die Darstellung von Mädchen* und Frauen*- etwa in Games oder in Social Media – aber auch Jungen* sehen sich mit Geschlechterbildern und –anforderungen in Sozialen Medien konfrontiert. Nur ein Beispiel aus 2019: Laut einer Plan International-Studie manipulieren 87 Prozent der Jungen* (Mädchen*: 90 Prozent) ihre Fotos von sich, bevor sie diese posten- etwa, indem sie Filter und Bearbeitungstools nutzen oder mit Perspektive und Styling das "Beste" aus sich heraus holen.

Zugleich ermöglichen digitale Medien jungen Menschen, sich miteinander auszutauschen, ihre Community im Netz zu finden, politisch aktiv oder professioneller E-Sportler zu werden.

Ein weites Feld also, das pädagogische Begleitung erfordert. Unsere Umfrage in 2019, an der rund 200 Jungenarbeiter*innen teilgenommen haben, hat ergeben, dass gut 82 Prozent der Befragten sich Fortbildungen zu medienpädagogischen Fragestellungen wünschen – sowohl was Medienkonsum und –nutzung, als auch Kreativprojekte und Jugendschutzthemen wie Cybermobbing und Sexting anbelangt.

Unser Barcamp greift diesen Bedarf auf und bietet die Möglichkeit, sich auf verschiedenen Ebenen mit digitalen Medien auseinanderzusetzen. Es soll Raum geben für fachlichen Austausch, zum Netzwerken und zum Ausprobieren.

Als Einstiegsimpuls wird Kommunikations- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Daniel Hajok darüber sprechen, wie sich die Sozialisation von Jungen* hinsichtlich des Heranwachsens mit digitalen Medien gewandelt hat. Er skizziert den neuen Sozialisationstypus mitsamt Chancen und Risiken für die Entwicklung. Fokussiert auf männliche* Heranwachsende werden aktuelle Daten zum Medienumgang von Kindern und Jugendlichen vorgestellt und Konsequenzen für eine angemessene pädagogische Begleitung diskutiert.

Wie läuft ein Barcamp ab?

Barcamps beginnen mit einer Vorstellungsrunde: Alle Teilnehmer*innen stellen sich mit Namen und drei Hashtags vor. Im Anschluss stellen alle, die eine Session anbieten wollen, ihr Thema kurz vor. Der gemeinsame Sessionplan wird auf Basis von Handzeichen erstellt. Nach jeder Session gibt es eine kurze Pause.

Was sind die Vorteile eines Barcamps?

Teilnehmende bringen Vorschläge für Sessions mit und stimmen darüber ab, welche Sessions zustande kommen. Daher werden genau die Inhalte thematisiert, die den Teilnehmenden wichtig sind. Die offene Struktur ermöglicht einen unkomplizierten und spontanen Austausch.

Sessions

Session-Vorschläge können jetzt schon online gemacht werden: https://padlet.com/LAGJANRW/jungenmedien
Bereits angeboten sind die Themen "Queere Jugendmedienarbeit", "Arbeit mit dem Greenscreen", "Jungen* und Games".

Zielgruppe

Das Barcamp ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

30. Oktober 2020
10 bis 16.30 Uhr

Ort

Unperfekthaus
Friedrich-Ebert-Straße 18-26
45127 Essen

Teilnahmebeitrag

10 Euro

Sessionvorschläge

Angebote