Sonstige Tagungen

Neben "klassischen" Qualifizierungs- und Fortbildungsangeboten hat die Fachstelle Jungenarbeit NRW in den letzten Jahren zunehmend auch Fachforen und Werkstattgespräch als offenes Veranstaltungsformat etabliert. Diese Formate ermöglichen eine noch stärkere Teilnehmendenorientierung und -beteiligung, da die Teilnehmenden im Anschluss an einen Impulsvortrag zu einem vorgegebenen Thema selbst bestimmen, an welchen Fragestellungen und Aspekten des Impulsvortrags weitergearbeitet werden soll.

Ziel dieser Angebotsformate ist es, die Ressourcen, Kompetenzen und Wissensbestände der Teilnehmenden stärker in die inhaltliche Kontur einer Tagung einfließen zu lassen und einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Landesweites Fachforum zu den Themen

"Trauma – Flucht – Männlichkeiten" und "Selbstwirksamkeitserwartungen im Kontext von Flucht und Männlichkeiten"

In diesem landesweiten Fachforum für Lehr- und Fachkräfte wird sich in jeweils einem Impulsvortrag und in zwei anschließenden Workshops den Thematiken der beiden Stellungnahmen "Trauma – Flucht – Männlichkeiten" (bereits veröffentlicht 09/2018) sowie "Selbstwirksamkeitserwartungen im Kontext von Flucht und Männlichkeiten" (wird veröffentlicht 12/2018) genähert. In diesem Rahmen freuen wir uns auf interessante, konstruktive Auseinandersetzungen und Orientierungsimpulse für die praktische Arbeit vor Ort.

"Trauma – Flucht – Männlichkeiten"
In der pädagogischen Arbeit mit jungen Männern* stoßen Fachkräfte immer wieder auf Verhaltensweisen die irritieren und verunsichern. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass diese Jungen* in einem "falschen (weil alten) Film" sind. Insbesondere bei Fluchterfahrungen bringt dieser Film oftmals eine Vielzahl an Belastungen mit sich. Das Auslösen von Traumata und traumatischen Erfahrungen stellt Fachkräfte immer wieder vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig ist die pauschale Annahme einer PTBS (posttraumatischen Belastungsstörung) nach der Fluchtgeschichte in der pädagogischen Arbeit nicht hilfreich, vielmehr hemmend und verunsichernd. Es gilt demnach wach für Dynamiken und Signale der jungen Männer zu sein um angemessen Begleitung und Beziehungsangebote gestalten zu können. Der geschlechtsbezogene Blick der Jungenarbeit erweitert die traumapädagogische Perspektive und ermöglicht eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen von männlichen* Identitätskonstruktionen, dem Erleben von traumatischen Situation und den individuellen Bewältigungsstrategien.


"Selbstwirksamkeitserwartungen im Kontext von Flucht und Männlichkeiten"
Jungen* und junge Männer*, die zeitnahe Fluchterfahrungen gemacht haben, sind mindestens in der nahen Vergangenheit in ihrem Handeln erstaunlich wirksam gewesen. Von der Planung, Organisation und Finanzierung bis hin zur eigentlichen Flucht, wurden massive Ressourcen aufgetan und in Form vielfältigster Handlungen aktiviert. Nach dem Fluchtprozess befinden sich diese jungen Menschen auch weiterhin in herausfordernden Lebenssituationen, in denen sich die oftmals bereits bestehenden Problemlagen durch traumatisierende Fluchterfahrungen verstärken. Zudem beginnt der Ausblick auf ein besseres Leben mit einer Vielzahl von Aufträgen im Gepäck, mit denen sie sich in ein Hilfesystem hinbegeben, welches strenge Anforderungen an diese jungen Menschen stellt. Das Bedürfnis danach ein selbstbestimmtes Leben zu führen erhöht den (Selbst-) Druck auf die Jungen*. All das sind Aufgaben, Situationen und Hürden, die mehr als nur Routine abverlangen. Gegenteilig verlangt dies ein extra Maß an geistiger wie körperlicher Anstrengung und Ausdauer. Das Dilemma zwischen Druck und eingeschränkter Handlungsfähigkeit überträgt sich auch auf die Fachkräfte der Arbeit mit geflüchteten Jungen*. Daher ist es zentral die Erwartungen an eigene Wirksamkeit der jungen Männer nachzuvollziehen um gelingende Pädagogik anbieten zu können.

Ablauf

09:30Uhr   Ankommen & Steh-Café
10:00Uhr  

Fachimpuls 1 "Trauma – Flucht – Männlichkeiten
Dirk Achterwinter (Traumatherapeut zptn/Sexualpädagoge) und Malte Jacobi (LAG Jungenarbeit/Projekt "Irgendwie Hier!")

11:30Uhr  

Fachimpuls 2 "Selbstwirksamkeitserwartungen im Kontext von Flucht und Männlichkeiten"
David Klöcker (Systemische Beratung/Sexualpädagoge) & Kai Mausbach (LAG Jungenarbeit NRW/Projekt "Irgendwie Hier!")

12:30Uhr   Mittagspause & Small-Talk
13:30Uhr   Workshopphase

   

Workshop 1
Dieser Workshop ist an den Fachimpuls 1 angelehnt. Neben einer Diskussions- und Beratungseinheit im Rahmen der Stellungnahme "Trauma – Flucht – Männlichkeiten" beinhaltet der Impulsworkshop Praxisanregungen für die traumapädagogische Arbeit und dem damit einhergehenden traumasensiblen Handeln.

    Workshop 2

Dieser Workshop ist an den Fachimpuls 2 angelehnt. Neben einer Diskussions- und Beratungseinheit im Rahmen der Stellungnahme "Selbstwirksamkeitserwartungen im Kontext von Flucht und Männlichkeiten" beinhaltet der Impulsworkshop Praxisanregungen im hinsichtlich der Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit von Lehr- und Fachkräften.

15:30Uhr   Ende der Veranstaltung

 

Zielgruppe

Die Fortbildung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

1. Februar 2019
9:30 bis 15:30 Uhr

Ort

Bürgerzentrum Alte Feuerwache
Melchiorstraße 3
50670 Köln

Schutzkonzepte für die Arbeit mit männlichen Geflüchteten

Werkstatt-Fachtag zur Entwicklung eines partizipativ erarbeiteten Schutzkonzepts für Betreuungsformen mit unbegleiteten, minderjährigen, männlichen Geflüchteten

Was kann Schutz bedeuten und wer soll eigentlich wovor geschützt werden?  Welche Faktoren sind in der Entwicklung eines Schutzkonzeptes relevant? Wie kann ein partizipativer Erarbeitungsprozess aussehen?  Wie gelingt es hier sowohl die Fachkräften als auch die jungen Menschen einzubinden? In wieweit ist die gesammte Einrichtung von diesem Prozess betroffen und demnach auch darauf zu verpflichten? Welche präventiv wirkenden Strukturen gibt es bereits, welche müssen (weiter-)entwickelt werden? Und schließlich: Was braucht es, damit "best practice" auch nachhaltig wirkt und in den Strukturen verankert werden kann?

In diesem Werkstattgespräch sollen die Herausforderungen, Stolpersteine, Wegmarken und notwendigen Schritte der Entwicklung eines Schutzkonzepts für männliche Geflüchtete vorgestellt werden. Anhand der kooperativ erarbeiteten Praxisarbeit der LAG Jungenarbeit in NRW, des VSE NRW e.V. und dem Zartbitter Münster e.V. im Projekt "Irgendwie Hier! Flucht-Migration-Männlichkeiten" soll ein solcher Prozess beispielhaft beleuchtet werden. Im Sinne eines Werkstatt-Fachtages werden aufkommende Fragen und Themen im Anschluss an die Vorstellung des Projekts zusammen mit den Fachleuten erörtert. Die Teilnehmenden sind somit herzlich eingeladen ihre eigenen "Baustellen" der Arbeit ins Plenum einzubringen und den kollegialen Austausch zu nutzen um neue Perspektiven zu gewinnen.

 

Programm

9:00 Uhr   Ankommen und Stehcafé
10:00 Uhr   Ein Einblick in das Projekt "Irgendwie Hier! Flucht - Migration - Männlichkeiten" der LAG Jungenarbeit in NRW
10:30 Uhr   Vortrag und Werkstatt-Austausch zum Thema "Entwicklung eines partizipativ erarbeiteten Schutzkonzepts für Betreuungsformen mit unbegleiteten, minderjährigen, männlichen Geflüchteten"
12:30 Uhr   Mittagessen
13:30 Uhr   Workshops:
-1. Beschwerdemanagement als Teil eines Schutzkonzeptes
-2. Sexualpädagogisches Konzept als Teil eines Schutzkonzeptes
15:30 Uhr   Austausch im Plenum
16:00 Uhr   Ende der Veranstaltung

 

Die Referent*innen

Martin Helmer (Zartbitter Münster e.V.)
Lioba Kramer (VSE NRW e.V.)
David Klöcker (AWO Beratungszentrum Lore-Agnes-Haus)
Malte Jacobi (LAG Jungenarbeit in NRW)

 

Zielgruppe

Die Fortbildung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

15. Februar 2019
10:00 bis 16:00 Uhr

Ort

Dietrich Keuning Haus
Leopoldstraße 50
44147 Dortmund

Teilnahmebeitrag

30,00 Euro

Darin enthalten sind Kalt- und Warmgetränke und ein Mittagsimbiss. Die Gebühren werden am Veranstaltungstag bar und gegen Quittung entgegengenommen.

About the Boys?! Jungen in der Kita

In Zeiten des gesellschaftlichen Wandels traditioneller Männerbilder benötigen Jungen schon früh eine geschlechterbewusste Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität. Zudem verpflichtet der § 9 Abs. 3 des SGB VIII Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe dazu, in allen Angeboten und Maßnahmen die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, also auch Kindertageseinrichtungen.

Was bedeutet dieses nun allerdings mit Blick auf Jungen? Welche Bilder und Vorstellungen bringen Erzieher*innen in ihre pädagogische Arbeit mit ein und wieviel und was wissen sie von den "Jungs", die sie jeden Tag begleiten, von deren Männlichkeitskonzepten und ihren Bedürfnissen?

Der Fachtag bietet Raum, Jungen und ihre Welt kennen zu lernen, sich jungenspezifischen Entwicklungsaufgaben und Männlichkeitskonzepten zu nähern und die eigenen Vorstellungen von Männlichkeit zu reflektieren. Darauf aufbauend stellt sich die Frage, welche Spiel- und Handlungsräume Jungen in Kindertageseinrichtungen angeboten werden (können), welche Rahmenbedingungen es erleichtern, attraktive pädagogische Angebote für Jungen zu schaffen und schließlich auch um die Entwicklung von konkreten (ersten) Ansätzen geschlechterreflektierter pädagogischer Praxis für und mit Jungen in Kindertageseinrichtungen.

Zielgruppe

Die Fortbildung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

23. Februar 2019

Ort

Ardey Haus
Paradieser Weg 84
59494 Soest

Angebote