Sonstige Tagungen

Neben "klassischen" Qualifizierungs- und Fortbildungsangeboten hat die Fachstelle Jungenarbeit NRW in den letzten Jahren zunehmend auch Fachforen und Werkstattgespräch als offenes Veranstaltungsformat etabliert. Diese Formate ermöglichen eine noch stärkere Teilnehmendenorientierung und -beteiligung, da die Teilnehmenden im Anschluss an einen Impulsvortrag zu einem vorgegebenen Thema selbst bestimmen, an welchen Fragestellungen und Aspekten des Impulsvortrags weitergearbeitet werden soll.

Ziel dieser Angebotsformate ist es, die Ressourcen, Kompetenzen und Wissensbestände der Teilnehmenden stärker in die inhaltliche Kontur einer Tagung einfließen zu lassen und einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Nicht nur Geschichten im Gepäck

Praxisfachtag für die traumasensible Arbeit mit geflüchteten jungen Männern

Die LAG Jungenarbeit in NRW und das Psychosoziale Traumazentrum der Innosozial in Ahlen möchte ihnen an diesem Fachtag vorstellen, wie mit jungen traumatisierten Männern aus verschiedenen Nationen und mit Fluchterfahrung ressourcenorientiert und nachhaltig zu den Themen Trauma, Männlichkeiten, Flucht und Ankunft in Deutschland gearbeitet werden kann.

Der Fachtag

Am Vormittag möchten ihnen die Kooperationspartner*innen das exemplarische Praxisprojekt "Nicht nur Geschichten im Gepäck" vorstellen und hieran verdeutlichen, welches die zentralen Faktoren und Perspektiven einer gelingenden Arbeit mit traumatisierten geflüchteten Jungen* und Männern* sind. Danach freuen wir uns über einen angeregten Austausch vor und während eines Mittagsimbiss. Zum Nachmittag geben die Künstler*innen des Projektes praxisnah einen Einblick in die jeweilige Workshoparbeit und zeigen die Ergebnisse der Projektwochenenden. Sie berichten aus einem künstlerisch/kreativen Blickwinkel von ihren Erfahrungen mit der Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten.

Für weitere Einblicke ins Projekt "Nicht nur Geschichten im Gepäck" klicken Sie hier.

Die praxisnahen Gesprächsrunden am Nachmittag sind:
"Video" mit Merle Forchmann; "Fotografie" mit Katja Illner; "Schauspiel" mit Alexander Peiler

Die Referent*innen

Angelika Dittmann ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit fast 20 Jahren mit Kindern und Erwachsenen, die Gewalt erfahren haben und/oder traumatisiert sind. Seit 2017 arbeitet sie als Diplom-Psychologin im Psychosozialen Traumazentrum für Flüchtlinge in Ahlen. Die meisten ihrer Klienten haben eine schlechte bis gar keine Bleibeperspektive in Deutschland. Sie zeigen auch die stärksten Traumatisierungen und genau hier setzt das Projekt an, um diesen jungen Männern Stabilität zu geben und deren Ressourcen zu aktivieren.

Merle Forchmann lebt und arbeitet als freie Fotografin in Düsseldorf. Neben Auftragsarbeiten als Fotografin und Videografin arbeitet sie an freien Foto- und Videoprojekten.

Katja Illner arbeitet seit 2007 als Dokumentarfotografin unter dem Namen "fotodok.". Seit 2010 gibt sie außerdem Workshops für Jugendliche und Erwachsene rund um das Thema Fotografie.

Alexander Peiler engagiert sich an Theatern und war an diversen Film- und Kurzfilmproduktionen als Schauspieler beteiligt. Sein erster selbst produzierter Film YALLA BABY! (2018) feierte in Jerusalem und auf dem Filmfestival in Porto Premiere.

 

Zielgruppe

Die Fortbildung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

17. September 2018
10:00 bis 16:30 Uhr

Ort

Innosozial gGmbH Ahlen – Röteringshof
Psychosoziales Traumazentrum für Flüchtlinge
Am Röteringshof 34-36
59229 Ahlen

Teilnahmebeitrag

30,00 Euro

Darin enthalten sind Kalt- und Warmgetränke und ein Mittagsimbiss. Die Gebühren werden am Veranstaltungstag bar und gegen Quittung entgegengenommen.

Väter mit Fluchtmigrationshintergrund

Herausforderungen und Ressourcen für geschlechterreflektierte Arbeit.

Väter mit Fluchtmigrationshintergrund werden in öffentlichen wie medialen Debatten oft stereotyp als problematisch beschrieben, ihnen wird eine gute Erziehung ihrer Kinder seltener als Deutschen zugetraut. Gleichzeitig müssen sich Väter mit Fluchterfahrung mit ihren (Selbst-)Ansprüchen und den Herausforderungen bzgl. oft schwieriger Rahmenbedingen ihres Lebens in Deutschland auseinandersetzen. Insbesondere die zumeist empfundene aber mitunter schwer realisierbare Verantwortung der geflüchteten Männer, das Familieneinkommen zu sichern, haben Einfluss auf das Selbstbild als Mann und Vater.

Der Fachtag
Der Hauptvortrag von Dr. Michael Tunç reflektiert die ethnisierten Diskurse und entwirft anhand erster empirischer Studien ein differenziertes Bild dieser Männer/Väter. So sollen gleichermaßen Ressourcen und Herausforderungen sichtbar werden, diese Väter mit Fluchtmigrationshintergrund für ein gutes Aufwachsen ihrer Töchter und Söhne in Sozialer Arbeit zu unterstützen.

Im Rahmen von 2 Workshops widmen sich Antonio Díaz und Ataman Yildirim einem praktischen Zugang zum Feld der Väterarbeit im Kontext von Flucht und Migration.

 

Die Referenten
Dr. Michael Tunç
ist seit dem Wintersemester 2017/2018 an der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Soziale Arbeit in einer Professur für Migration und Interkulturalität befristet tätig. Er promovierte 2016 zu rassismuskritischer und diversitätsbewusster Väterforschung und Väterarbeit in der Migrationsgesellschaft.

Antonio Díaz ist Gründer und erster Vorsitzender des Elternnetzwerk NRW, Mitbegründer des iva-nrw (Interkulturelle Väterarbeit NRW) und Gründungsmitglied der LAG Väter NRW. Er ist im Vorstand des Landesintegrationsrat sowie als Vorsitzender des Mitgliederausschuß im Arbeitskreis Neue Erziehung tätig.

Ataman Yildirim ist Sozialpädagoge und seit 2006 im Fachdienst Migration & Integration der AWO Düsseldorf tätig. Seit über 10 Jahren widmet er sich insbesondere dem Themenbereich interkulturelle Männer & Väterarbeit in der sozialen Arbeit. Ehrenamtlich ist Ataman Yildirim Vorstandsmitglied im Elternnetzwerk NRW - Integration miteinander e.V.

 

Zielgruppe

Der Fachtag ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

14. September 2018
10:00 bis 16:00 Uhr

Ort

Dietrich-Keuning-Haus
Leopoldstraße 50
44147 Dortmund

Teilnahmebeitrag

30,00 Euro

Darin enthalten sind Kalt- und Warmgetränke und ein Mittagsimbiss. Die Gebühren werden am Veranstaltungstag bar und gegen Quittung entgegengenommen.

Jungen und selbst verletzendes Verhalten

Männlichkeit als Stressfaktor

Das Konstrukt Männlichkeit generiert in der Moderne einen doppelten Imperativ:
• Sei nicht Nicht-Mann als traditionelle Männlichkeitsorientierung
• Gleichstellung von Mann und Frau im gesellschaftlichen Modernisierungsprozess.

Diese beiden Macht-Diskurse sind in ihrer Gleichzeitigkeit und Widersprüchlichkeit geeignet, die Identitätsentwicklung der Jungen zu verstören. Es ist sinnvoll, jenseits der traditionellen Genderdiskurse den Wandel in der sozialen Konstruktion von Männlichkeit (und Weiblichkeit) zu reflektieren; dass nämlich männliche Verletzungsmächtigkeit und männliche Selbstverletzung nicht widersprüchlich sind. Viele Jungs und junge Männer "ritzen" sich. Sie erleben seelisches Leid, aber sie spüren auch die Erwartung, dass sie "coole" Jungs sein müssen, um "harte" Männer zu werden.

Warum wird das selbstverletzende Verhalten bei Jungs tabuisiert? Weil traditionelle Männlichkeitsmythen keine Selbstverletzung erlauben! Der Junge darf aggressiver Täter sein – autoaggressives Opfer aber nicht.

Wir gehen davon aus, dass Hilfe- und Beratungskonzepte, therapeutische Konzepte und außerschulische Jungenarbeit allesamt in eine subjekt- und lebensweltorientierte Biografie- und Erinnerungsarbeit einmünden können.

Allgemeine Ziele dieses interaktiven Bewältigungsprozesses sind die Stabilisierung der Jungs im Sinne von Selbstachtsamkeit und Handlungsfähigkeit einerseits sowie Gefühls- wie Stresstoleranz andererseits. Es geht dabei auch um den Erwerb von Kontrollbewusstsein, um die Erweiterung von Handlungsspielräumen. Kontrollbewusstsein und Handlungsfähigkeit als zentrale Ziele der Bewältigung reflektieren wir als Interaktionsergebnis im sozialen Austauschprozess.

Angesichts unserer Ziele einer geschlechterreflektierten Praxis, den Jungen Hilfe und Unterstützung zur Erweiterung ihrer Geschlechterbilder und ihrer Handlungsalternativen zu vermitteln, zielen wir auf Jungenarbeit als lebensweltorientierte Biografie- und Erinnerungsarbeit. Jungenarbeit reduziert dabei Jungen nicht auf ihr Geschlecht. Weitere Strukturgeber und Identitätsdimensionen wie Bildung, soziale Herkunft, ethnischer Hintergrund, etc. sind gleichfalls bedeutsam. Biografie- und Lebensweltorientierung sind konstitutiv sowohl für eine einzelfallspezifische therapeutische Arbeit als auch für eine geschlechterreflektierte Jungenarbeit als Gruppenarbeit.

Aus der biografischen Perspektive stellen wir Fragen nach Blockaden und Problemen in der Lebensgeschichte. Die Lebensweltperspektive richtet unsere Aufmerksamkeit auf die nahe Umwelt des Jungen – als Rahmen für persönliche Aneignungs- und Vermittlungsprozesse. Es geht um diesen Zusammenhang von individueller Wahrnehmung (subjektives Konstrukt) und sozialem Kontext (sozio-kultureller Rahmen) im Prozess der Jungenarbeit.

All diesen Fragen wollen wir uns in einem komplexen Fachgespräch zuwenden. Die Veranstaltungzielt nicht auf fertige Lösungen, sie zielt am Beispiel des selbstverletzenden Verhaltens auf Prozesse des Verstehens von Problemen der Männlichkeitssozialisation im sozialen Raum und auf Möglichkeiten, Individualität zu fördern.

Zielgruppe

Das Fachforum ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

20. April 2018 | 10:00 bis 16:30 Uhr

Ort

Zentrum für Gehörlosenkultur
Huckarder Straße 2-8
44147 Dortmund

Teilnahmebeitrag

35,00 €

Darin enthalten sind Kalt- und Warmgetränke und ein Mittagsimbiss. Die Gebühren werden am Veranstaltungstag bar und gegen Quittung entgegengenommen. Sollte Ihnen oder ihrem Arbeitgeber die Barzahlung des Teilnahmebeitrags nicht möglich sein, bitte wir um eine kurze Nachricht mit der Nennung einer Rechnungsadresse, an die wir vorab eine Rechnung über den Teilnahmebeitrag senden können.

Referenten

Prof. Harry Friebel, Universität Hamburg
Andreas Goosses, Berlin

Von der Teilnahme zur Teilhabe männlicher* Geflüchteter

Fachforum des Projektes "Irgendwie Hier!"

Es ist in den letzten Jahren vieles zu Geflüchteten analysiert, beobachtet, niedergeschrieben, diskutiert und behauptet worden. Doch neben allen gelungenen oder weniger gelungenen Beschreibungen bleiben eher praxisleitende Fragen als abschließende Antworten. Viele pädagogische Angebote und erprobte Formate deutscher Institutionen gehen an männlichen Geflüchteten vorbei. Vielerorts taucht die Frage auf, wie bestimmte "Flüchtlingsgruppen" pädagogisch erreicht werden können. Doch woran hapert es, wenn auch gut durchdachte pädagogische Konzepte, die oftmals von Menschen durchgeführt werden, die bereits Rassismuskritik und Männlichkeitsreflexion selbstkritisch zulassen, ihr Klientel (der männlichen Geflüchteten) nicht oder nur rudimentär erreichen? Oder besser gefragt:

Was sind hilfreiche Bedingungen, um auch männliche Geflüchtete – insbesondere durch Jungen*arbeit – pädagogisch erreichen zu können?

Angelehnt an unsere 3. Stellungnahme, welche unter dem Titel "Pragmatische Notwendigkeiten in der Umsetzung von Angeboten für männliche* Geflüchtete " veröffentlicht ist, möchten wir uns mit ihnen austauschen und Orientierungspunkte zur Umsetzung von pädagogischen Angeboten zur Diskussion stellen.

Ablauf

09:30   Uhr    Ankommen und Stehcafé
10:00  Uhr    Begrüßung und einleitende Worte zum Projekt "Irgendwie Hier! Flucht – Migration - Männlichkeiten"
10.30  Uhr  Fachimpuls 1
Olaf Jantz (mannigfaltig e.V. Hannover) stellt anhand von Praxisbeispielen der transkulturellen Jungenarbeit Zugänge zu männlichen* Geflüchteten vor, die sowohl Männlichkeitskritik, Rassismuskritik als auch Unterstützung in Empowerment systematisch implementieren.
11.30  Uhr  Fachimpuls 2
Maurice Mwizerwa (Beratungsstelle für minderjährige Geflüchtete, Hannover)
kommentiert aus einer Sicht von Geflüchteten: "Inwiefern können pädagogische Angebote (der Jungenarbeit) allein reisende, junge Männer / männliche* Geflüchtete erreichen?
12.30  Uhr  Mittagessen
13:30  Uhr  Austausch in zwei Workshops:
1. "Praxiserfahrungen der Jungenarbeit mit männlichen* Geflüchteten" mit Olaf Jantz
2. "Jungen* / männliche* Geflüchtete effektiver und aktiver unterstützen und begleiten - aber wie?" mit Maurice Mwizerwa
15:30  Uhr  Ende der Veranstaltung
     

 

Zielgruppe

Das Fachforum ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

Termin

22. Februar 2018

Ort

Fritz-Henßler-Haus
Geschwister-Scholl-Str. 33-37
44135 Dortmund

Teilnahmebeitrag

Keine Kosten

Angebote