Qualifizierungen

Jungenarbeit ist als Qualitätsmerkmal in der Kinder- und Jugendhilfe und als Beitrag zur Gleichberechtigung aller Geschlechter anerkannt. Sie gilt als Querschnittsaufgabe und ist im SGB VIII sowie dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW verankert. Eine Umsetzung als Querschnittsaufgabe sowie die strukturelle und konzeptionelle Verankerung in den Einrichtungen, Angeboten und Maßnahmen nach SGB VIII bedarf jedoch, im Sinne von Jungenarbeit, qualifizierter Fachkräfte.

Die LAG Jungenarbeit NRW setzt daher in Kooperation mit den Landesjugendämtern Rheinland und Westfalen berufsbegleitende Qualifizierungsangebote um. Diese ergänzen das umfassende Fortbildungs- und Tagungsangebot der Fachstelle Jungenarbeit NRW um mehrtägige Qualifizierungskurse, die sich zudem über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Die eingesetzten Referent*innen sind erfahren in der Jungenarbeit und haben diese viele Jahre auf kommunaler, Landes- und Bundesebene entwickelt, betrieben und vermittelt.

Handwerkszeug und Haltung sind gefragt

Von der Arbeit mit Jungen zur Jungenarbeit. Ein praxisbegleitendes Qualifizierungsangebot

Dieser Qualifizierungskurs richtet sich an männliche* Fachkräfte, die ihr pädagogisches Handwerkszeug erweitern wollen und einen reflektierten Zugang zum Thema Jungenarbeit suchen. Die Qualifizierung ermöglicht einen Einblick in die individuellen Lebens- und Problemlagen von Jungen*, vermittelt konzeptionelles und methodisches Knowhow für die Berufspraxis und zeigt Strukturen für die kollegiale Beratung mit anderen Jungenarbeitern auf.

Der Qualifizierungskurs beinhaltet drei Module:

Er beginnt mit einem zweiteiligen Qualifizierungsmodul (jeweils drei Seminartage) zu den Grundlagen geschlechterbezogener und Arbeit mit Jungen*. Es folgt ein mehrmonatiges Praxismodul, in dessen Verlauf die Teilnehmenden Gelerntes in ihren Einrichtungen und Praxisfeldern umsetzen und ein auf ihren Arbeitsalltag zugeschnittenes geschlechterbezogenes Projekt/Angebot mit Jungen* entwickeln und durchführen. Dabei geht es auch darum zu klären, wie sich Jugendarbeit in der Einrichtung/dem Angebotsprogramm strukturell und konzeptionell verankern lässt. In der Zeit des Praxismoduls findet das zweite Qualifizierungsseminar statt, sodass Gelegenheit zur fachlichen Reflexion der ersten Praxiserfahrungen besteht. Den Abschluss des Qualifizierungskurses bildet ein zweitägiges Reflexionsmodul.

Ein erfolgreicher Abschluss des Qualifizierungskurses erfordert die Teilnahme an den Fortbildungstagen, die Planung und Durchführung eines geschlechterbezogenen Projektes/Angebots mit Jungen*, die Erstellung eines Berichtes zum Vorhaben und eine Präsentation im Rahmen des Reflexionsmoduls und führt zu einem Qualifizierungsnachweis, ausgestellt vom LVR-Landesjugendamt Rheinland und der LAG Jungenarbeit NRW.

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für männliche* Fach- und Lehrkräfte ausgeschrieben. Vorkenntnisse in der geschlechterbezogenen Arbeit werden nicht vorausgesetzt.

nächste Termine

Seminar I vom 21. bis 23. März 2018
Seminar II vom 4. bis 6. Juli 2018
Seminar III vom 15. bis 16. November 2018

 Ort

Sportschule Hennef
Sövener Straße 60
53773 Hennef

Referenten

Bielefeld / Köln

Jungs erreichen

Frauen in der geschlechterreflektierten Arbeit mit Jungen

Jungenarbeit hat ursprünglich einen geschlechtshomogenen Hintergrund in der Arbeit männlicher Fachkräfte mit Jungen*. Der Diskurs um die Vielfalt von Geschlecht, wie auch die Tatsache, dass es notwendig ist, (pädagogisch tätige) Frauen* für die Arbeit mit Jungen* zu qualifizieren, hat die LAG Jungenarbeit NRW bereits vor ein paar Jahren dazu gebracht Fortbildungsangebote zur Jungenarbeit auch für Frauen* anzubieten.

Der Qualifizierungskurs vermittelt Kenntnisse über den Einfluss von Geschlechterzuschreibungen auf Jungen* und eine Sensibilität für die Verarbeitungsformen, die Jungen* wählen, um die eigene Ansprache, Ziele und Konzepte in Bezug auf Jungen* zu reflektieren und neu zu konzipieren. Ein wesentlicher Aspekt der Qualifizierung ist es, pädagogisches Handwerkszeug für die Arbeit mit Jungen* und jungen Männern* zu erlangen. Eine zentrale Frage des Qualifizierungskurses ist somit: Was benötigen Frauen* für die Arbeit mit Jungen* an Kenntnissen, an Eigenreflexion und nicht zuletzt an Handwerkszeug für eine gelingende Jungenarbeit?

Der Qualifizierungskurs beinhaltet drei Module:

Der Kurs beginnt mit zwei dreitägigen Modulen, in denen Grundlagen vermittelt und die Praxisphase vorbereitet wird. Danach folgt die mehrmonatige Praxisphase, in deren Verlauf die Teilnehmer*innen nach Absprache mit der Fortbildungsleitung ein selbst entworfenes Projekt für die eigenen Einrichtung/das eigene Arbeitsfeld entwickeln und erproben. Im dritten Kursteil präsentieren alle Teilnehmende ihr Projekt und erhalten ein Feedback zu ihrer Jungenarbeit.

Bei erfolgreicher Teilnahme und Projektpräsentation inklusive eines schriftlichen Projektberichts stellen das LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho und die LAG Jungenarbeit NRW einen Qualifizierungsnachweis aus.

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für weibliche* Fach- und Lehrkräfte ausgeschrieben. Vorkenntnisse in der geschlechterbezogenen Arbeit werden nicht vorausgesetzt.

nächste Termine

Seminar I von 24. bis 26. September 2018
Seminar II vom 21. bis 23. November 2018
Seminar III vom 6. bis 7. Mai 2019

 Ort

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho
Oeynhausener Straße 1
32602 Vlotho

Referent*innen

Junges e.V. / Institut für Gender-Perspektiven

Traumapädagogik in der Jungenarbeit

Teil I: Ich glaub, ich bin im falschen Film!

In der pädagogischen Arbeit mit Jungen stoßen Fachkräfte immer wieder auf Verhaltensweisen, die irritieren. Verhalten kann ganz plötzlich umschlagen. Pädagogen und Pädagoginnen haben dann das Gefühl, sie seien "im falschen Film". Möglicherweise ist das ein Hinweis, dass die Jungen, mit denen sie dann zu tun haben, in einem falschen, weil alten Film sind. Sie reagieren nicht auf die aktuelle Situation, sondern agieren aus ihrem Erfahrungs- und Belastungsrucksack. Wir sprechen dann von "Trauma" und von "traumatischen Erfahrungen, die angetriggert (ausgelöst) sind".

Ein Trauma ist eine überfordernde, existenzbedrohliche Belastungserfahrung, die im Gehirn wie eine schreibgeschützte Datei isoliert gespeichert ist und sich so immer wieder im Alltag meldet und sich dann nicht wie eine Erinnerung, sondern wie Gegenwart anfühlt. Das macht sich bemerkbar in der Beeinträchtigung der Wahrnehmung, der Orientierung, der Selbststeuerung, der Impuls- und Affektkontrolle sowie in körperlichen Anspannungs- oder Erschlaffungszuständen.

Traumapädagogik hilft, dies besser zu verstehen und auch den betroffenen Jungen verstehbar zu machen. Sie bietet Möglichkeiten der angemessenen pädagogischen Begleitung und Intervention.

Das Seminar vermittelt Theorie zu Psychotraumatologie, Traumapädagogik und Neurobiologie des Traumas sowie Bindungsentwicklung unter traumatischen Bedingungen. Es gibt Einblick in mögliche traumapädagogische Interventionen und bietet Raum für Fallarbeit aus der eigenen Praxis.

Teil II: Ich glaub, der legt einen Schalter um!

"Ich glaub, der legt einen Schalter um!": Dieser Satz beschreibt die Erfahrung, dass es Jungen gibt, die uns verwirren, weil sie uns in der Arbeit so unterschiedlich begegnen, dass wir das Gefühl haben, wir hätten es mit unterschiedlichen Personen zu tun: mal kooperativ und verständig, dann wieder für uns unkalkulierbar aggressiv, ein anderes Mal wieder verzagt und antriebslos.

Menschen, die wiederholt traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, bilden abgespaltene Muster im Gehirn, die antriggerbar (auslösbar) sind - sogenannte Ich-Zustände. Das geschieht überall dort, wo wiederholt Gewalt, Vernachlässigung oder Demütigungen erfahren werden.

In dieser Fortbildung soll es um die Psychotraumatologie der strukturellen Traumafolgestörungen gehen und um die Frage, wie angemessene Reaktionen und hilfreiche Interventionen aussehen können. Dabei wird die Innere-Teile-Arbeit eine besondere Rolle spielen mit ihrem Bemühen, dass Jungen ihre eigenen Impulse und ungesteuerten Zustände besser verstehen und steuern lernen.

Zielgruppe

Die Qualifizierung ist für Fach- und Lehrkräfte aller Geschlechter ausgeschrieben.

nächste Termine

Teil I vom 26. bis 27. Februar 2018
Teil II vom 11. bis 12 . Juni 2018

 Ort

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho
Oeynhausener Straße 1
32602 Vlotho

Referent*innen

LWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho / Bielefeld

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